Eric Clapton - Old Sock - Cover
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Eric Clapton Old Sock


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach „Clapton“ (2010) steht mit „Old Sock“ das nächste Cover-Album des Bluesrockers vor der Tür.

Das Coverbild des 21. Studioalbums von Eric Clapton wirkt auf den ersten Blick, als hätte Mr. Slowhand eine Wette verloren. Zu sehen ist ein Urlaubsfoto, das den Meister mit Sonnenbrille, Hut, weißem Hemd und Dreitagebart vor blauem Himmel und Palmen zeigt. Darunter steht in Großbuchstaben: „Old Sock“ - alte Socke. Großartig! Der Mann hat Humor. Aber auch nicht ganz Unrecht: Etwas älter sind die Songs auf „Old Sock“ in der Tat. Lediglich zwei neue Kompositionen befinden sich unter ihnen - bei dem Rest handelt es sich um Coverversionen mehr oder weniger berühmter Stücke von Gary Moore, Peter Tosh und Otis Redding, um nur einige der Urheber zu nennen.

Den Opener liefert mit „Further On Down The Road“ Taj Mahal, der auch vor Ort ist und die tiefenentspannte Reggae-Nummer mit der Mundharmonika und dem Banjo begleitet. Ein Sommer-Feeling kommt auf, das Cover-Foto ergibt langsam Sinn, der Background-Chor sorgt für den letzten Schliff, bevor es mit „Angel“ von J.J. Cale weitergeht. Auch der mittlerweile 74-jährige Komponist von „Cocaine“ ist persönlich dabei, singt zusammen mit seinem alten Kumpel Eric und spielt Gitarre. Zweifellos eine der besten Interpretationen auf „Old Sock“, vor allem, nachdem es mit Jerome Kerns „The Folks Who Live On The Hill“ im Anschluss arg schmalzig wird. Das können Clapton und seine angestammten Musiker besser, was sie auch unverzüglich mit dem taufrischen, stilistisch an Joe Cocker erinnernden „Gotta Get Over“ klarstellen.

Gleichzeitig leitet die Eigenkomposition aber auch die stärkste Phase auf „Old Sock“ ein, deren Höhepunkte die gefühl- und liebevoll umgesetzte Peter Tosh-Nummer „Till Your Well Runs Dry“ sowie das durch Paul McCartney veredelte „All Of Me“ sind. Da ist es schon fast schade, dass Ted Daffans „Born To Lose“ dem Album Coolness-technisch wieder ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt, obwohl der Song an sich alles andere als schlecht umgesetzt ist. Dann doch lieber Gary Moores „Still Got The Blues“ (begleitet von Steve Winwood) oder die Reggae-Adaption von Otis Reddings „Your One And Only Man“.

Es wäre an dieser Stelle nicht fair, zu behaupten, dass sich während der verbleibenden ruhigeren Titel („Goodnight Irene“, „Our Love Is Here To Stay“) grundsätzlich Langeweile breit macht, aber im Vergleich zu den zuvor gehörten Reggae-Nummern klingen sie doch ein wenig nach...naja, alter Socke. Umso wohltuender kommt kurz vor Schluss das zweite Nicht-Cover „Every Little Thing“ daher, in dem Eric Clapton clever eine zurückhaltende Strophe mit einem wie losgelöst wirkenden Refrain verbindet.

Doch was ist am Ende von diesem Hin und Her zu halten? Von den vielen Reggae-Songs, den manchmal zu entspannt arrangierten Titeln und dem ausgesprochen niedrigen Rock-Anteil? Wirkt Clapton alt? Ja. Ist das Album deswegen schlecht? Nein. Vielmehr klingt „Old Sock“ wie eine Jamsession unter Freunden, denen es in erster Linie um den Spaß geht. Natürlich kommt dabei kein künstlerischer Luftsprung heraus, aber auch kein Reinfall, sondern eine Zusammenstellung musikalisch niveauvoller Songs. Und warum auch nicht? Es hätte schließlich auch weitaus schlimmer kommen können.

Anspieltipps:

  • Gotta Get Over
  • All Of Me
  • Till Your Well Runs Dry
  • Every Little Thing

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