Kashmir - E.A.R - Cover
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Kashmir E.A.R


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 61 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Kashmir können sich nach über 20 Jahren nur noch selbst im Weg stehen.

Lange waren Kashmir in ihrer Heimat Dänemark unantastbar. Dass die neue Scheibe „E.A.R.“ die Charts stürmen wird, ist fast schon ein feststehender Fakt. Seit „Zitilites“ haben die vier Dänen stets den ersten Platz eingeheimst und wurden für ihre Alben gefeiert. Der internationale Vorwurf, dass ihre Lieder meist eine Minute zu lang wären, nahmen sie sich - zur Freude der meisten Fans - nie wirklich zu Herzen. Ausgedehnte Hymnen und atmosphärische Nummern waren schon immer ihr Musik-Milieu.

Auf dem neuen Album hat die Geräuschkulisse allerdings endgültig den Hang zu ausgedehnter und alternativ klingender Popmusik vertrieben. Da klimpert und raschelt es viereinhalb Minuten in „Trench“ und im knapp neunminütigen „Pedestals“ rauscht es ebenfalls gute fünf Minuten vor sich hin, bevor echter Rhythmus und Gesang einsetzen. Was zu Beginn mit „Blood Beech“ und zum Abschluss mit dem Titeltrack wie eine bloße Ode an den von dichten Klängen gestalteten Song „Zitilites“ wirkt, ist eine Flucht vor der Popmusik.

Nummern lassen sich treiben und bieten an jeder Ecke füllende Sounds und Klangspielereien, aber wirklich hängenbleiben wollen Lieder wie „This Love, This Love“ und „Foe To Friend“ nicht, da sie eher ein melodisches Rauschen darstellen. „E.A.R.“ verliert sich in einer Klangwüste, die nichts hervorruft. Natürlich kann man die Gedanken nachvollziehen und mit viel Anstrengung erlebt man eine unglaubliche Dichte für eine Stunde, doch der Genuss bleibt teilweise einfach aus.

Dass es auch anders geht, beweisen Kashmir zum Glück noch zur Genüge. Die Vorab-Single „Seraphina“ allein ist der Beweis für die perfekte Radiohymne mit Überlänge. Trotz gut fünf Minuten Spiellänge und mehr als einer Minute bis zum ersten gesungenen Wort, ist „Seraphina“ so dicht, dass es eine Freude ist, vom Intro über die emotionale erste Strophe in den Stadionrefrain einzusteigen. Dann wechselt der Song Rhythmus, aber nicht Melodie, und macht von Harfe, Gitarre und Verzerrungen in einem Maß Gebrauch, das tatsächlich Hörfreude bereitet.

Gleiches gilt für das düster melodische „Milk For The Black Hearted“, den vom Akustik-Pop auf Psychedelic-Rock umschwenkenden Siebenminutenbrecher „Peace In The Heart“ und auch die hallende Akustiknummer „Peace Of The Sun“ zeigen die wahren Qualitäten des dänischen Vierers. Die Höhepunkte neben „Seraphina“ setzen dabei das 80er-Pop orientierte „Purple Heart“ und der kurze Schlusstrack „Peace In Our Time“. Mit fast schon niedlicher Melodie und Kinderchor-Romantik verabschieden sich Kashmir doch noch versöhnlich aus einem Klangwirrwar, das sich spaltet und viel Potenzial in den Wind schießt. Vielleicht brauchten Kashmir diese Freiheit und werden selbst merken, dass es Momente wie „Seraphina“ sind, die sie ausmachen.

Anspieltipps:

  • Seraphina
  • Peace In Our Time
  • Purple Heart

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