DJ Koze - Amygdala - Cover
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DJ Koze Amygdala


  • Label: Pampa Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 78 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Geschmeidig elektronischer Wohlklang vom Meister höchstpersönlich.

Nicht nur „die feinen Reime sind beim Kosi Kos“, auch die feinen Beats. Acht Jahre nach dem letzten Werk mit eigenen elektronischen Kompositionen hat Wer-weiß-was ihn geritten, nicht mehr länger nur bestehendes Material remixend zu vergolden, sondern sich zum zweiten Mal auf einer Veröffentlichung den eigenen Kreationen hinzugeben.

Und anders als bei „Kosi Comes Around“ wurde dieses Mal nicht an nebenbei sehr aussagekräftigen Features gespart. Nicht die Tatsache, dass er mit Fishmob in den Neunzigern zu HipHop-Ehren kam und Kultstatus erlangte, nicht dass nach seinem sukzessiven turn hin zu Electro, House und Minimal akquirierte deutsche Supergroup-Projekt International Pony der mittigen Nullerjahre, und auch nicht die humoresken Aliasse „Adolf Noise“, „Monaco Schranze“ oder „Swahimi“ ließen Stefan Kozalla den Genre-Status erlangen, den er seit einer gefühlten Dekade schon unaufgeregt charmant verwaltet. Nein, DJ Koze ist schlicht und einfach einer der innovativsten, niveauvollsten und nach wie vor spannendsten Minimal-House-DJ's dieser Welt.

Wie um diese Tatsache zu untermauern, schneite der den Fame-Ball nicht minder flach haltende und spätestens 2010 wie eine Rakete abgegangene Daniel Snaith aka Caribou aka Daphni vorbei, um den ersten Track mit ein paar Gesangsschnipsel zu füttern, die Kosi dann hübsch verfremden und versampeln konnte. Auch der abseits Hot Chip'cher Großarenen heimliche Regent des Electro Pop, Matthew Dear, findet sich gleich zwei Mal wieder auf „Amygdala“. Kein verklärt spiritueller indischer Ort mit für Geschlechterrollen problematischen Kastenwesen übrigens, sondern der Teil im Temporallappen des Großhirns, der für die Entstehung von Emotionen, allen voran der Angst, verantwortlich ist. Und die wird einem hier genommen.

Apparat, Dirk von Lowtzow, Ada, Milosh und Tomerle & Maiko sind auch noch mit dabei, aber wir wollen den Bogen nicht überspannen. Geschmeidig elektronischer Wohlklang wird hier wie zu erwarten kredenzt, der in vitro nicht die Heerscharen an neuen überzeugten Jüngern kreieren wird, dafür ist Kosi's Minimal zu sehr ein verspielt-verträumtes Kaleidoskop aus Gefühlsregungen abseits des Club-Dancefloors. Erst in vivo wird man bei Koze zum Jünger, wenn man sich den zeitlosen Raumfluchten seiner zunächst stoisch zaghaften Sets aussetzt, um nach langer Anfahrt im wortsinnigen Minimal feinster Regungen und Wendungen dahinzuzappeln. Auf dieser Platte kennen beispielsweise „La Duquesa“ oder „Marilyn Whirlwind“ diese Momente tanzbarer Erhabenheit, die notwendigerweise aus einem minimalen, feinen, geschmeidigen Vorspiel heraus erst möglich werden.

Kozallas zweites Soloalbum ist, es ist keine Überraschung, feingeistig beseelte minutiöse Schönheit. Nach wie vor dürsten die meisten Anhänger elektronischer Musik nach dem genauen Gegenteil, nach wie vor gibt DJ Koze darauf a shit.

Anspieltipps:

  • Marilyn Whirlwind
  • La Duquesa
  • My Plans
  • Royal Asscher Cut

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