The Strokes - Comedown Machine - Cover
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The Strokes Comedown Machine


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

The Strokes tragen ein schweres Kreuz. Aber hey, sie haben es noch nicht fortgeworfen.

So langsam kann man zwei Fraktionen aufmachen. Die Strokes, die den Rock mittels Rückgriff in die Vergangenheit voranbrachten, die mit Jack White zusammen Limp Bizkit und Korn vom Rock-Thron stießen und ein gutes Stück weit das 21. Jahrhundert kultur-ästhetisch einläuteten; sowie die Strokes, die sich voll von Ruhm und Status - Reichtum war ja nichts Neues für die fünf Promi- und Schweizer Internatskinder - nichts mehr zu sagen wussten und ihre Band eigentlich nur noch aus Gründen vormaliger Wichtigkeit am Leben hielten, aber trotzdem 2011 ein Album veröffentlichten und seither merklich ihren bandeigenen Sinn suchen in einer Pop-Welt, die The Strokes nicht mehr braucht, ihnen indes für immer dankbar sein muss.

Auch „Comedown Machine“ weiß nicht so recht, was es konkret will, außer dass die Protagonisten wissen, dass das Kind namens Band zu gut ist, um in den Brunnen geworfen zu werden. Die Solo-Ausflüge aller, bis auf Nick Valensi, machten das überdeutlich. Aber früher, als Julien Casablancas allein jede Note schrieb und Fabrizio Moretti, Albert Hammond Jr., Nikolai Fraiture und eben Valensi nur ausführende Buddies und nicht gleichberechtigte Band-Mitglieder waren, war es dann doch leichter, ein integeres Album diktatorisch zusammenzuschustern.

Gut, mit den für Casablancas inzwischen typisch gewordenen Eighties-New-Wave-Anleihen ist „Comedown Machine“ immer noch ein gutes Indie-Rock-Album, das man gerne und leicht konsumiert. Aber wie eingangs erwähnt, waren The Strokes doch mal eine ungleich andere Band, drei Alben und fünf Jahre lang wohnte ihnen ein Zauber inne, eine Jugendlichkeit, ein Leichtsinn, eine postmodern westliche Zukunftslosigkeit, die den jungen Menschen überall in der westlichen Welt aus der Seele zu sprechen schien.

Was blieb von „Angles“ hängen, jenem schwierigen wir-probieren's-nochmal-bevor-wir-aufgeben-Album aus 2011? Die tolle Comeback-Single „Machu Picchu“ und vielleicht noch „Taken For A Fool”. Was wird von „Comedown Machine“ bleiben? Ähnliches, das Album ist gut, die Hooklines, Rhythmen und Melodiebögen machen Spaß und bringen Abwechslung, das poppige „Welcome To Japan“ und „Happy Ending“ am meisten. Mehr aber leider nicht.

Sie tragen ein schweres Kreuz mit sich, die fünf New Yorker. Aber hey, sie haben es noch nicht fortgeworfen. Sie bleiben eine Band, sie machen nach wie vor niveauvollen Indie-Rock, werden keine TV-Promis mit ungesundem Lebenswandel und wissen höchstwahrscheinlich sogar, dass das was sie auf „Is This It“, „Room On Fire“ und in Teilen auf „First Impressions Of Earth“ erzeugt haben, ihnen so nie wieder gelingen wird.

Alles hat seine Zeit, Konservierungsphänomene wie die Rolling Stones scheinen heute nicht mehr möglich. The Strokes jedenfalls haben ihre mehr als genutzt, sie haben sie geprägt. Dass die heutigen Alben dahinter abfallen: bei keiner Band mag man es mehr verzeihen als bei dieser.

Anspieltipps:

  • Welcome To Japan
  • Tap Out
  • One Way Trigger
  • Happy Ending

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