Sevendust - Black Out The Sun - Cover
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Sevendust Black Out The Sun


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Als wäre der Nu-Metal nie weg gewesen...

Der Nu-Metal ist am Ende. Der große kommerzielle Krake der späten 90er- und frühen Nullerjahre hat seine Arme längst aus der Subkultur des Metals herausgezogen und tastet sich heutzutage lieber in Bereichen des Pop oder - noch viel besser - Elektro vor. Korn zum Beispiel verkaufen ihr Zeug im Vergleich zu ihren glorreichen Tagen kaum noch. Die Schulhof-Helden von Linkin Park sind diese zwar geblieben, allerdings ganz anders als es die zwischen Rap und Metal hin- und hergerissenen Kids damals prognostiziert hätten. Und hier zeigt sich abermals der Sinn vom damals so verschmähten Nu-Metal: Es sollte Geld gemacht werden und wenn er eben kein Geld mehr bringt, geht man mit der Zeit und wechselt das Genre. Im Falle der zweitgenannten Band ist ein phänomenaler Abwärtstrend nur die Spitze des Eisbergs. Der „echte“ Metaler hat es ja irgendwie immer gewusst und lacht sich hämisch ins Fäustchen...

So wird Nu-Metal zum längst überholten Trend des letzten Jahrzehnts nach dem kein Hahn mehr kräht. Das kann für Bands wie Limb Bizkit mit ihrem 2011 erschienenen „Gold Cobra“ aber auch Sevendust, die mit „Black Out The Sun“ ihre neunte Langrille am Start haben, nur positiv sein. Zum einen werden sie von peinlichen Ultras von damals (heute erwachsen oder tot) in Ruhe gelassen, zum anderen sind sie sich musikalisch treu geblieben und haben kommerziellen Ausrichtungsvorgaben mit einem gewissen Abstand durchaus den Mittelfinger gezeigt. Drei Jahre nach dem eher mäßigen „Cold Day Memory“ haben Lajon Witherspoon (Gesang), Morgan Rose (Schlagzeug, Gesang), Vince Hornsby (Bass, Gesang), John Conolly (Gitarre, Gesang) und der nach sechs Jahren Bandabstinenz wieder an Bord gekommene Clint Lowery (Gitarre, Gesang) 13 neue Songs dabei, die gleichermaßen modern als auch für das Genre klassisch klingen. Der Nu-Metal kriegt bei ihnen zum Glück ein Konzept und wird nicht als Ausgangssituation für eine künftige Umstrukturierung des Sounds genutzt. Gut so!

„Black Out The Sun“ ist überraschend hart, aber nicht so hart, dass eine Notwendigkeit besteht. Mit „Got A Feeling“ hat sich auch gerade mal eine reinrassige Ballade auf dem Album verloren. Ansonsten regiert eine unbändige Härte. Von Anfang an zeigen Sevendust mit Blastbeats und Growls in Kompositionen wie „Faithless“ oder „Till Death“, dass sie die Konventionen des Genres mit zaghaften Innovationen brechen können. Pop-Anstriche werden dadurch aber per se nicht ausgeschlossen. „Black Out The Sun“ ist ein typisches Album dieser Band: Ausbrüche, softe Passagen und melodischer Mainstream-Rock geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Otto Normal wird so nicht verschreckt, während dem traditionsbewussten Metaler wenig Öl ins Feuer gekippt wird. Songs wie „Cold As War“, „Nobody Wants It“, „Decay“, „Picture Perfect“ oder das sogar etwas Nickelbacksche „Dark AM“ sind leicht melancholische Rocker, die wie die meisten anderen Tracks auf Sevendusts neuntem Album hauptsächlich von stark rhythmusorientiertem Riffing und melodischen Einsprengseln leben. Hier offenbart sich dann auch die seit jeher größte Schwäche der Band. Zwar haben die Jungs aus Atlanta definitiv ihren eigenen Stil, verirren sich am Ende dann aber doch in ihm. Entgegen der Ideen, die am Anfang des Albums gezündet werden, satteln Witherspoon und seine Mannen viel zu früh auf Schema F um und bauen auf Sicherheit. Das hat zur Folge, dass es nur selten Abwechslung gibt und die Masse der Klasse überwiegt.

Vielleicht hätte es „Black Out The Sun“ gut getan, wenn man ein, zwei Songs weniger auf den Silberling gepresst hätte. Viel hört sich ähnlich oder gleich an und muss schließlich als Filler sein Dasein fristen. Vom Reißbrett kommt zwar nichts, aber vielleicht liegt es auch eher daran, dass Sevendust trotz jeglichem songwriterischem und technischem Talent, dem Genre keine neuen Facetten geben können und eine qualitativ hochwertige Routine das wohl größte Argument der Gruppe ist. Aber neu, frisch oder unbedingt innovativ müssen Sevendust auch gar nicht sein. Der Nu-Metal in seinem Zenit wird Jahre später von diesen Herren fortgesetzt und kriegt mittlerweile eine stark nostalgische Note. Vielen wird das schlicht und ergreifend egal sein, denn mehr und mehr ist das, was man zu hören bekommt, bloßes Special Interest für ewig Gestrige. Echte Fans hingegen wissen, was sie an Sevendust haben und freuen sich mit gutem Recht an Musik, die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum längst überschritten hat und trotzdem noch mehr als genießbar ist. Das Nu-Metal-Rad rollt also wieder. Zwar nicht auf der Hauptstraße, aber es rollt.

Anspieltipps:

  • Faithless
  • Till Death
  • Nobody Wants It
  • Picture Perfect

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