My Education - A Drink For All My Friends - Cover
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My Education A Drink For All My Friends


  • Label: Golden Antenna/Broken Silence
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem beflügelten Überraschungsdebüt befällt das Zweitwerk eine innere Schwere.

Am Anfang haben sie ihre Musik für alte Stummfilme gespielt. Das ist in der Art-Szene gern gesehen, weil etwas Neues. Gemeinsam mit inzwischen knapp 90 Jahre alten Bildern haben My Education ein interessantes Hobby gefunden, das allerdings nach der Bezeichnung brotlose Kunst schreit. Der Effekt des völlig neuen Ansatzes ist nicht mehr und auch andere Hoffnungsträger des Post-Rock haben mit der Schwere neuen Materials kämpfen müssen, wie unlängst erst wieder Long Distance Calling feststellen mussten.

Auf „A Drink With All My Friends“ muss viel, aber nur wenig scheint zu wollen. „A Drink...“ stellt als Opener eigentlich nur die seichte, organisch klingende Einleitung für den ersten Brocken in Gestalt von „...For All My Friends“ dar. Also den ersten von fünf Grundpfeilern des Albums, wenn man berechtigterweise den Opener wie auch den Closer „Homunculus“ abzieht. Und irgendwie tritt nicht der Effekt des Debüts ein. Da ist Post-Rock, der zwar verständlich macht, nie wirklich hart sein zu wollen, aber mehr zündet dann auch nicht. Die Musik läuft so vor sich hin, ohne großartige Bilder in den Kopf zu malen und wenn innerhalb der Stücke neue Wege eingeschlagen werden, klingt das eher grobkörnig und unvermittelt.

Man muss das Kopfkino schon wollen, denn von alleine bricht hier nichts hervor, wird wenig erkundet und die Experimente sind eher ausgesprochen, als auch tatsächlich hörbar. So wäre „Black Box“ ohne die Assoziation einer letzten Nachricht eines Fliegers ein leeres Dahingeplätscher und auch der „Roboter-Höhlenbewohner“ punktet mehr mit seinem einfallsreichen Titel, als die kraftvolle, aber leider sehr repetitive Nummer, die man dazu zu hören bekommt. Allein „Mr. 1986“ ist ein Track, der sich erst langsam offenbart und Kräfte freisetzt, die weder gekünstelt, noch zu vorhersehbar wirken. Hier macht der Post-Rock mit Kunstanspruch Spaß und fordert in angenehmer Weise.

Das ist am Ende natürlich zu wenig, um die Kohlen aus dem Feuer zu holen und so ist „A Drink For All My Friends“ unausgegoren und wirkt wie eben „Roboter-Höhlenbewohner“ etwas verkrampft und phasenweise sogar stumpf. Trotzdem ist es als in sich geschlossener Track noch eine der runderen Nummern des Albums. Das wird den wenigen Höhepunkten des Albums zwar nicht gerecht, doch zu durchwachsen ist der Verlauf des schwierigen zweiten Albums, als dass man hier von einem gelungenen Wurf sprechen könnte.

Anspieltipps:

  • Mr. 1986
  • Roboter-Höhlenmensch

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