Vampire Weekend - Modern Vampires Of The City - Cover
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Vampire Weekend Modern Vampires Of The City


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Vampire Weekend bekommen Bestnoten und dennoch ein Problem mit ihrem dritten Album.

Zitat-Pop der Elite-Uni-Absolventen, Teil drei. Ihrem Verständnis nach bilde „Modern Vampires Of The City“ den Abschluss einer Trilogie, die sich diesmal ihrer eigenen Provinzialität bewusst machend, mehr um ihre urbane Heimat New York drehe, als um Peter Gabriel, Paul Simons Pop-Pionierleistungen oder afrikanische Rhythmen.

„Cape Cod Kwassa Kwassa“, „Oxford Comma“, „Walcott”: es gibt kaum einen urbanen, jungen, gebildeten und modebewussten Menschen, der sich von diesen Zitate-Rhythmen voller Leichtigkeit und Finesse, voller Cleverness und Post-Post-Modernität nicht angesprochen fühlt. Entsprechend ernteten Ezra Koenig und Co. mehrere reguläre Nummer-Eins-Platzierungen in diversen Ländern.

Das Indie-Schwergewicht im Pop, es war ja durchaus was dran an dem Vorwurf, war die fleischgewordene Frucht liberaler Elite-Lenden in den Vereinigten Staaten. Aber wer Pop derart durchdacht, komplex und trickreich zu zitieren wusste, dem konnte man nicht böse sein. Egal wie sehr superteure Polo-Hemden, Literatur-Diskurse und first-world-problems der Liebe den Gehalt bestimmten. In gewisser Weise sind Vampire Weekend ein Spiegel für einen Gutteil der westlichen und jungen Bildungsbürgerschicht.

Wie macht man da nun weiter? Stoisch in gewisser Weise. Die Lyrik Ezra Koenigs ist immer noch ein Absetzungskriterium zu so vielen platten Weisheiten im Pop. Und auch die Klangkonzeption bleibt undefinierbar Abwechslungsreich, aber mit gängigerer Harmonie ausgestattet als die hierin radikaleren Dirty Projectors. Aber anbei entsteht daraus auf Dauer das Problem, oder eher: die Schwäche, von Vampire Weekend. Am Rattenschwanz des Elitenvorwurf schwingt es ja mit: hier reibt sich nichts, hier gibt es scheinbar keine essenziellen Existenzprobleme, hier fehlt die Radikalität, das naive Wagnis, alles ist derart klug durchdacht und gegenanalysiert, dass eine der größten Stärken von Musik, die Übernahme des Unterbewusstseins, niemals stattfindet. Kann sich einer ernsthaft die vier New Yorker Jungs vorstellen, wie sie mal so richtig ausrasten? Beim Scheiße-Bauen im Rausch, unter Liebeskummer, in Euphorie-Momenten?

Bewertungstechnisch steckt man bei Vampire Weekend (schon der Name natürlich ein intertextueller Bezug, und zwar zu Virginia Wolf) in der Mühle, gar nicht anders zu können, als Bestnoten an die Elite-Uni-Boys zu verteilen. Indes, es fehlt noch etwas hier, und das wird mit jedem Album gewahrer. Sie sind ein sehr sehr aussagekräftiges Zeugnis unseres Heutzutage.

Anspieltipps:

  • Diane Young
  • Hannah Hunt
  • Hudson

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