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Mesh Automation Baby


  • Label: Dependent/ALIVE
  • Laufzeit: 64 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
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Mesh nehmen das gestörte Sozialverhalten der Generation Facebook unter die Lupe.

Die vor 21 Jahren in Bristol, am Südwestzipfel der englischen Insel gegründete Independent-Synthie-Pop-Band Mesh (damals noch als Trio, seit 2006 ist sie ein Duo) zählt nach so langer und erfolgreicher Zeit im Pop-Business zu den wenigen überlebenden Veteranen der elektronischen Musik. Die Veröffentlichungen aus dem Hause Mesh haben sich in den vergangenen Jahren im Schnitt auf einen Dreijahresrhythmus eingependelt, sodass es jetzt, dreieinhalb Jahre nach Mesh‘s letztem Studioalbum, „A Perfect Solution“ (10/2009), dem im Mai 2011 noch eine limitierte Remix-Version nachgeschoben wurde, wieder an der Zeit für Nachschub ist.

Mark Hockings (Gesang, Gitarre) und Richard Silverthorn (Keyboards) melden sich mit einem neuen Longplayer auf den Tanz- und Bildfläche zurück, der sich prinzipiell als Konzeptalbum einordnen lässt, da das Duo den inhaltlichen Schwerpunkt auf (Zitat) „intime Geschichten einer fiktiven Protagonistin, die für eine Generation steht, die elektronische Vernetzung und das Treibenlassen in sozialen Netzwerken als Lebensentwurf begreift“ legt.

In Zeiten, in denen Facebook bereits wieder als uncool gilt, ist diese Thematik sicher nicht mehr die neueste, aber dennoch brisant und allgegenwärtig. Denn nicht nur in der Fiktion handelt es sich um (Zitat) „eine Generation, die sich hemmungslos dem Konsum hingibt und die eine grell leuchtende virtuelle Welt gegen physische Freundschaften und echte Beziehungen eintauscht“. Die Beweggründe und Gefahren dieser schleichenden geistigen Verarmung fängt „Automation Baby“ in 14 Tracks ein, die sich in gewohnt eingängiger Form den Weg ins Ohr des Hörers bahnen.

Stilistisch pendeln die Engländer dabei zwischen ihren deutschen Kollegen von De|Vison („Automation baby“, „Adjust your set“, „When the city breathes) und den frühen Depeche Mode („Just leave us alone“, „Taken for granted“, „This is the time“), sind also weitaus weniger düster unterwegs, als es die Themen der Songs auf den ersten Blick anbieten. Lediglich Tracks wie „Ab incidental no. 1 & 2”, „Never meet your heroes“, „Born to lie” und vor allem das an Hurts gemahnende „You couldn’t see this coming“ transportieren eine kalte Computerweltatmosphäre, die in Verbindung mit den froheren Stücke genau den Zwiespalt widerspiegeln, in dem sich die Generation Facebook mit ihrem gestörten Sozialverhalten befindet.

Anspieltipps:

  • Born to lie
  • This is the time
  • Taken for granted
  • Never meet your heroes
  • You couldn’t see this coming

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