Kadavar - Abra Kadavar - Cover
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Kadavar Abra Kadavar


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn es stellenweise doch schon konstruiert wirkt, haben diese Waldschrate mehr Spirit im kleinen Finger, als alle Mitglieder vergleichbarer Bands zusammen.

Der musikalische Schritt rückwärts ist schon seit geraumer Zeit ein Vorgehen geworden, das als gezielter Trend eingesetzt wird, um der heutigen Musikszene den Spiegel vorzuhalten. „Früher war alles besser“, „Die heutige Musik hat keine Seele mehr“ oder „Heute können die ja gar nicht mehr ihre Instrumente spielen“, sind allesamt Kommentare von ewig Gestrigen, deren musikalischer Horizont nicht über Schlagworte wie Media Control, Castingshow oder Echo-Verleihung hinaus reicht. So falsch und oberflächlich diese dann auch erscheinen - die Retro-Bewegung holt jene Menschen mit Leichtigkeit ab und verspricht jüngeren Hörern gleichzeitig das bisschen Individualität und „Anti-Hipstertum“. Die Jungs von Wolfmother haben das zum Beispiel erfolgreich bewiesen, unbekanntere Gruppierungen wie The Black Explosion erweitern die Randerscheinung zumindest, sodass man als eventuell Interessierter hier eine extrem große Auswahl bekommt und aus dem Pool der Authentizitäts-Rocker seinen Liebling fischen kann.

Ein ganz besonders dicker Brocken an der Angel sind Kadavar, die sich Schritt für Schritt ein Stück vom Retro-Kuchen abgeschnitten haben und im Vergleich zu ähnlichen Bands oder Interpreten sicherlich das Potential besitzen, von einer Randerscheinung zu einem Act zu werden, der sich nicht nur etabliert, sondern sich auch zu einem Aushängeschild der Bewegung mausern könnte. Die drei jungen Herren spielen und kokettieren mit dem Image. Auf dem Cover-Artwork präsentieren sich die drei Berliner als klarer Blickfang – in Anbetracht der Tatsache, dass sie wie Relikte der Hippie-Zeit wirken, ist das auch kein Wunder und ein guter Schachzug. Selbst der Name des Longplayers „Abra Kadavar“ erinnert weniger an eine Zauberformel, als vielmehr an den recht ähnlich klingenden Klassiker „Sabbra Cadabra“ von Black Sabbath! Zufall oder ein erneuter Blick zurück? Marketing-Gag, durchgestyltes Image oder doch grundehrlich? „Abra Kadavar“ - und jetzt kommt's - wurde fast komplett „live“ im Studio aufgenommen. Hält man sich vor Augen, dass viele ähnlich veranlagte Musiker ihren Outputs noch nachträglich den Vintage-Anstrich verpassen, wirkt das Vorgehen der drei Waldschrate nicht nur außerordentlich konsequent, sondern so oder so auch als echter Gewinn.

Denn eins muss man „Abra Kadavar“ lassen: Wenn schon retro, dann richtig! Die Illusion der schmutzigen, unzeitgemäßen LP- oder MC-Aufnahme wirkt, und dies zu keiner Zeit aus Notwendigkeit. Der Flirt mit dem Pre-Doom der frühen Sabbath-Ära gelingt so in Songs wie „Come Back Life“ oder „Fire“ ganz vorzüglich. Ein wenig Iron Butterfly („Doomsday Machine“, „Eye Of The Storm“) darf schließlich genau so wenig fehlen, wie das fast schon obligatorische Schielen in Richtung Psychedelic Rock bei „Rythm For Endless Minds“. Letzterer ist dabei sehr viel organischer und passender eingearbeitet, als in diversen Kompositionen der skandinavischen und britischen Retro-Prog-Welle. Will heißen: Schleppende, zähflüssige Riffs treffen auf eine gesunde Härte sowie auf das lässige Spiel mit Stoner- und rüpelhaften Garage-Rock. Kadavar wissen, wie sie ihre Arbeit machen müssen und sie machen sie gut. Wirklich eigenständig ist auf „Abra Kadavar“ natürlich nichts, aber die drei Jungs machen ihre Sache besser und glaubwürdiger, als so mancher Genrekollege. Und ihre Zielgruppe haben sie dank ausgedehnter Touren auch schon gefunden. Die Zukunft wird zeigen, ob die Retro-Affinität Substanz aufweisen kann, oder nur eine glückliche Modeerscheinung ist, deren Vorteile ähnlichen Gruppierungen bislang verwehrt blieben. Fest steht aber, dass diese Berliner ihr Handwerk verstehen und mit einer Menge Herzblut dabei sind. Sollte man im Auge behalten...

Anspieltipps:

  • Doomsday Machine
  • Eye Of The Storm
  • Dust
  • Rythm For Endless Minds

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