Sapiency - Tomorrow - Cover
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Sapiency Tomorrow


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Don't believe the hype? Diesmal schon!

Sapiency aus Frankfurt am Main sind sechs Musiker, die sich dem Melodic Death Metal verschrieben haben. Ihr Debüt „Fate's End“ (2010) wurde von der Presse und den Fans hoch gelobt und machte die Jungs schlagartig zu einem ganz heißen Eisen. Als vielversprechende Newcomer gefeiert, tourten sie bereits im Vorprogramm von Größen wie Vader, Sonic Syndicate, Onkel Tom Angelripper oder Tito And Tarantula (!), was den Fankreis abermals expandieren ließ. 70.000 Tons Of Metal sorgte schließlich dafür, dass Sapiencys Shit auch auf hoher See einen ordentlichen Push bekam. Mit „Tomorrow“ steht nun der Zweitling in den Startlöchern und muss sich den Erfolgen der jüngeren Vergangenheit zweifelsohne stellen. Wird der Hype um die Frankfurter weiterhin gerechtfertigt? Ohne große Ausschweifungen und Floskeln: Ja, das wird er!

Das Material auf „Tomorrow“ greift von Anfang bis Ende in die Vollen und bietet Melo Death satt. Dafür, dass Sapiency eine noch relativ junge Band sind, klingt die gesamte Kombo wie ein altes Ehepaar. Es scheint, als hätten die sechs Sapiencys nie etwas anderes gemacht - den Death Metal haben sie jedenfalls allesamt im Blut! Das zeigt sich im Songwriting: Die elf Kompositionen wirken akribisch und ausgearbeitet, ohne dabei aber in Frickel- oder Math-Sphären abzurutschen, wie es andere (junge) Genrevertreter gerne machen, um ihre angebliche Virtuosität zu beweisen. Stattdessen beweist man ein Gespür für gute Melodien und Härte, und verbindet beide Welten absolut organisch miteinander. Auch wenn wohl niemand die Einflüsse von In Flames und ganz besonders die Soilwork seit 2003 leugnen wird, versuchen Sapiency, so eigenständig wie möglich zu klingen. Songs wie „Turn The Tide“, „Unknown Enemy“ oder „Fight On“ profitieren beispielsweise stark von den zaghaften Heavy-Metal-Anleihen und bieten weitere kleine Nuancen, die genauso gut in Blastbeats aus Notwendigkeit hätten untergehen können. Und auch sonst bemüht sich die Band um catchiges Material.

Hymnen, teilweise sogar mit leichtem Bombast, finden sich an allen Ecken und Enden. „Hungry Again“, „Breaking Chains“, „Free Within“ oder der Titeltrack bieten trotz Komplexität ein nicht zu unterschätzendes Mitsing-Potential und sollten besonders live vorzüglich funktionieren. Konträr versteht man es ebenfalls, zornig los zu rumpeln. Wohlplatzierte Wutausbrüche lassen für einige Momente das Präfix „Melodic“ außen vor und bugsieren den Sound für kurze Momente beinahe in furztrockenen Nile'schen Brutal Death („Unknown Enemy“, „Dying Illusions“). Gerade hier zeigt sich, dass es eine gute Idee war, den Gesangsposten gleich zweimal zu belegen. Lars Bittner ist für die cleanen Passagen zuständig, Krsto Balic kümmert sich um die Gruntings. Dank dieser Aufteilung können sich beide Vokalisten spezialisieren und geben so den einzelnen Songs noch ein wenig mehr Tiefe, was auch bzw. besonders live hervorragend funktionieren sollte. Zusammen mit den vier restlichen Musikern spielt man so Songs ein, die absolut souverän und durchdacht wirken - keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht in der Extreme-Metal-Sparte, wo jüngere Bands vor allem mit unbedingter Krassheit überzeugen wollen!

Dies alles macht „Tomorrow“ zu einem Album, welches sich im hart umkämpften Markt durchsetzen sollte. Sapiency wissen genau wo sie hin wollen und arbeiten sich mit einem wahnsinnig homogen wirkenden Songmaterial immer näher zum Ziel. Qualität zählt am Ende eben doch. Und sollte es einen (noch undergroundigen) Hype um die Frankfurter tatsächlich geben, wird man spätestens mit diesem Album verstehen, warum! Freunde des Melodic Death Metals sollten sich „Tomorrow“ deshalb unbedingt mal zur Brust nehmen. Es ginge mit dem Teufel zu, wenn wir nicht künftig noch sehr viel mehr von diesen Herren hören würden.

Anspieltipps:

  • Hungry Again
  • Free Within
  • Fight On
  • Dying Illusions

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