Larceny - My Fall - Cover
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Larceny My Fall


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Kontrast- und abwechslungsreich setzen sich diese sechs Metaller durch.

Manchmal hat es eine Band schwer. Larceny wurden im Jahre 2004 gegründet und mussten sich von Anfang an mit nervigen Line-Up-Changes herumschlagen, was bekanntlich Gift für die Entwicklung einer jungen Kombo ist. Glücklicherweise scheinen diese Probleme überwunden. Die sechsköpfige Band scheint sich bester Gesundheit zu erfreuen und zieht munter ihren Shit durch. Nach dem selbstbetitelten Debüt (2010) legen die Baden-Württemberger nun nach und wirken gefestigt und fokussiert. Ihr Zweitwerk „My Fall“ ist ein gigantisches und einziges Spiel mit Kontrasten. Das fängt bei dem Gesang an und endet bei den verschiedenen Schlenkern in Richtung allerlei Subgenres, was Larceny als Band sehr schwer klassifizieren lässt.

Frontmann Oliver Gaupp sorgt mit seinen Growls immer wieder dafür, dass sich die Musik in die Gefilde des Death Metals begibt. Seine bessere Hälfte Anna Rantou gibt schließlich melodische Anstriche und ist in etwa mit Cristina Scabbia von Lacuna Coil zu vergleichen, wenn es um ihre Stimmlage geht. Selten dominiert aber einer der beiden Vokalisten wirklich. Beinahe alle Kompositionen auf „My Fall“ bauen auf das Wechselspiel von Gaupp und Rantou. Der Rest der Band spinnt den Sound um die Sänger und bedient sich dem schier endlosen Pool an verschiedenen Metal-Spielweisen, ohne sich aber in einer komplett fest zu fahren. Besonders gut funktioniert dabei die etwas gemächlichere Gangart - irgendwo zwischen Dark und melancholischem Gothic - wie zum Beispiel in Kompositionen wie den unterkühlten Rockern „Love! You! Dead!“ und „Gunpowder Night“, die zum Teil Erinnerungen an die frühen Lacuna Coil aufkommen lassen. Das fast instrumentale „Still“ wird in der Mitte des Albums zum ganz klaren Höhepunkt und übertrumpft in puncto Songwriting und Talent an den Instrumenten alle anderen Kompositionen mit Leichtigkeit. Ganz großes Kino!

Lediglich wenn dann (selten) ausschließlich harte Saiten aufgezogen werden, können Larceny nicht unbedingt das Niveau halten. Das Riffing ist zwar auf den Punkt gebracht und angenehm knackig, dafür aber auch bisweilen ein wenig uninspiriert, was sicherlich weniger der Fehler der Band, sondern vielmehr der des Genres ist. Auch die an und für sich wirklich überzeugende Frontfrau Anna macht den Anschein, dass sie sich in harten Passagen nicht zwangsläufig zu Hause fühlt. In Songs wie dem Opener und Titeltrack oder in „Rush“ wirkt sie in Kombination zu schnellen Riffs und Beats gehetzt und aus ihrem natürlichen Lebensraum gerissen. Keyboarderin Conny Ott, die andere Dame im Bunde, ist da vielleicht der heimliche Star, sorgt für gekonnte Akzente und reißt bei ihren Einsätzen regelrecht das Zepter an sich. Dank ihr bekommt so mancher Song (z.B. „End Of Lies“, „Smoke & Ashes“ oder „Eat Me Alive“) einen wirklich stilvollen und im direkten Vergleich zu ähnlichen Bands passenden, frischen melodischen Anstrich.

Zusammen mit den grandiosen Soli von Axtschwinger Andreas Augat wird so das Songwriting gekonnt veredelt und an die jeweiligen Stärken der Sänger angeglichen, was klar für die Einheit von Larceny spricht. Und gerade diese wird letztendlich zum größten Argument für diese Band. Interessanterweise ist „My Fall“ trotz der vielfältigen Inspirationen und Einflüssen ein Album geworden, welches überaus gelungen ist und homogen daherkommt. Nicht alles, was Gold ist, glänzt hier - der Flirt mit extremeren Spielarten ist qualitativ nicht zwangsläufig mit „echten“ Vertretern der Subgenres zu vergleichen. Dafür sind die sechs Musiker dann doch zu eigenständig und durch die zwei Sänger zu spezialisiert. Das, was Larceny machen, machen sie aber gut und es wäre gelacht, wenn sie nicht ihre Nische trotzdem oder gerade deshalb finden.

Anspieltipps:

  • Love! You! Dead!
  • Gunpowder Night
  • Still
  • Smoke & Ashes

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