Herrenmagazin - Das Ergebnis Wäre Stille - Cover
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Herrenmagazin Das Ergebnis Wäre Stille


  • Label: Delikatess Tonträger/Broken Silence
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Aushängeschild dieser Band sind und bleiben ihre Texte: zynisch, bildhaft und poetisch erobern sie Herzen.

Das dritte Album der Hamburger Männer, die sich hinter (ihrem?) Herrenmagazin verstecken, steht den vorangegangenen in einem Punkt in nichts nach. Das kann man behaupten, ohne die Musik überhaupt gehört zu haben. Nach „Atzelgift“ und „Das Wird Alles Einmal Dir Gehören“ erscheint nun „Das Ergebnis wäre Stille“ und ist dabei in der Namengebung genauso unkonkret und mystisch, wie man es von den musikalischen Poeten Deniz Jaspersen und Rasmus Engler gewohnt ist. Damit behauptet die Band Herrenmagazin erneut ihr Markenzeichen: Kryptische Zeilen, viele Fragen und die Kunst, sich trotzdem so auszudrücken, dass die Hörer das zutiefst befriedigende Gefühl haben, verstanden zu werden.

Eine wirkliche Erklärung, weshalb daraus jedoch am Ende Stille werden soll, lässt sich trotzdem nur mit viel Fantasie finden. Zwar sind die Lieder allesamt nicht überaus vom Punk beherrscht, doch sind sie unverkennbar rockig. Tatsächlich sind sie wenig optimistisch und stellenweise sogar ruhig. Stille könnte jedoch nur in den Situationen entstehen, von denen gesungen wird. „Ich falle dir tief in dein Wort, da sind keine Versprechen an diesem Ort. Dieses Gespräch wird zu Stein“, heißt es da; später wird mit Sinnbildern gearbeitet: In „eine Liebe wie Landminen“, „ziehst Du dein Boot durch die Wüste, trägst dein Flugzeug durchs Meer, kennst jeden Meter der Küste, doch willst vergessen woher.“

Festgehalten werden die melancholischen Momente des Lebens, von denen man nicht so richtig weiß, ob man sie lieber vergessen oder sich in gnadenloser Selbstzerstörung für immer an sie erinnern will. Festgehalten werden auch schwermütige Ereignisse, Trennungen, Trauer, aber auf eine faszinierend wortwitzige Art und Weise, die dem Pessimismus die richtige Portion Optimismus mitgibt. „Komm, wir stellen die Köpfe aus und holen die Herzen heil da raus, wir haben zu viel von dem Verständnis und dem guten Willen verbraucht.“ Kurzum, die Hamburger fassen zusammen, was man ungern anspricht: „Ich will das nicht ansehen, aber so sieht’s aus!“

Verpackt ist dies alles in Gitarrenpop, der melodischer kaum sein könnte und genauso euphorisiert, wie die Texte deprimieren. Das Album erinnert stark an Kettcar und Tomte was an einem bisher unerforschten Hamburger Gen liegen mag, wohl aber auch darauf zurückzuführen ist, das Produzent Torsten Otto seine Finger mit im Spiel hat. Gemischt wurde „Das Ergebnis wäre Stille“ von Pelle Gunnerfeldt, der bereits für The Hives und Disco Ensemble tätig war und dazu darf man gratulieren, denn mit diesem Album reihen sich Herrenmagazin zurecht in gute Nachbarschaft ein.

Anspieltipps:

  • Regen
  • Lang nicht mehr da
  • Dein Wort
  • Landminen

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