Gozu - The Fury Of A Patient Man - Cover
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Gozu The Fury Of A Patient Man


  • Label: Small Stone/CARGO
  • Laufzeit: 63 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Gozu legen ihr zweites Album vor – eine Platte mit Stärken und Schwächen, die dennoch Spaß macht.

Knapp 2.000 „Gefällt mir“-Angaben auf Facebook und nicht einmal 400 Twitter-Follower - so richtig bekannt sind Gozu aus dem schönen Boston, Massachusetts, noch nicht. Aber es gibt Lichtblicke: Ihr Debüt „Locust Season“ wurde bei iTunes zu einem der besten Newcomer-Alben des Jahres 2010 gewählt, das Myspace-Profil der Band verzeichnet bereits über 95.000 Aufrufe und sie legen mit ihrem neuen Longplayer „The Fury Of A Patient Man“ ein Zweitwerk nach, das es - trotz kleinerer Schwächen - verdient, gehört zu werden.

Und das vor allem aus zwei Gründen: Gozu schrecken nicht davor zurück, in ihrer Musik verschiedene Stile zu einem Ganzen zu kombinieren. Natürlich kommen die vorherrschenden Einschläge aus der Stoner und Garage Rock-Ecke (schwere Gitarren, ein tief brummender Bass, krachende Drums), aber auch klare Hard Rock- und Metal-Referenzen sind im Sound des Quartetts zu finden. Eine bunte oder wohl eher dunkle Mischung also. Der zweite Grund, aus dem „The Fury Of A Patient Man“ gehört werden sollte: Die Platte macht Spaß. Nicht immer, aber zu einem großen Teil. So abgedroschen dieser Satz auch klingen mag: Gozu bemühen sich um Abwechslung. Sie lassen ihre Hörer nicht mit dem einen immer wiederkehrenden Riff zurück, sondern variieren in ihren Kompositionen fröhlich vor sich langhin: laut und leise, schnell und langsam, hart und weich - das Übliche halt, am besten vereint in „Ghost Wipe“ und immer angereichert um Marc Gaffneys vielschichtiges Gesangsorgan.

Nun aber zu den Kritikpunkten: Obwohl fast kein Song auf „The Fury Of A Patient Man“ in irgendeiner Weise schlecht oder verhauen ist (das „fast“ wird gleich erklärt), schafft es auch keine Nummer über das Prädikat „gut“ hinaus. Der derbe groovende Opener „Bald Bull“ und das an die Eagles Of Death Metal angelehnte „Salty Thumb“ kratzen möglicherweise an der Schwelle, erreichen die „sehr gut“-Seite jedoch nicht. Zu wenig hallen die Stücke nach, zu selten rufen sie ein Aha-Erlebnis hervor. Der zweite negative Aspekt: Gozu können die Spannungskurve nicht bis zum Ende hochhalten. Wie auch, bei einem fast 25 Minuten (!) andauernden, scheinbar niemals enden wollenden Abschlusstrack, der ab der dritten Minute völlig auf Gesang verzichtet? Super Idee. Das mutet zwar alles mächtig progressiv an, nervt aber irgendwann nur noch. Na viel Spaß, wenn das Ding live gespielt wird.

Rückblickend ist „The Fury Of A Patient Man“ damit eine größtenteils ambitionierte, am Ende allerdings überambitionierte Platte geworden, an der nicht nur Liebhaber des mehr oder weniger kommerziellen Stoner Rock ihre Freude haben werden. Gozu schaffen nichts völlig Neues, verbinden aber geschickt vorhandene Stile und können damit über weite Strecken gut unterhalten. Vor allem für Fans von Josh Hommes verschiedenen Projekten (Queens Of The Stone Age, Them Crooked Vultures usw.) ist das Album sicherlich eine gute Alternative, wenn gerade nichts aus der kalifornischen Wüste zu hören ist.

Anspieltipps:

  • Bald Bull
  • Salty Thumb
  • Ghost Wipe
  • Charles Bronson Pinchot

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