Bill Ryder-Jones - A Bad Wind Blows In My Heart - Cover
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Bill Ryder-Jones A Bad Wind Blows In My Heart


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Part zwei der traurigen Alben eines talentierten Musikers.

Wir schreiben das Jahr 2013. Es ist der kälteste Frühling seit Jahrzehnten, die deutsche Bevölkerung sehnt sich nach Sonne und Wärme. „A bad wind blows in my heart“ scheint da nicht nur ein passender Albumtitel, sondern beschreibt auch die kollektiven Gefühle einer ganzen Nation. Während wir innerlich auf besseres Wetter hoffen, kehrt ein junger Musiker Namens Bill Ryder-Jones seine Seele nach außen.

Das zweite Soloalbum des ehemaligen The Coral-Mitglieds knüpft insofern an den Vorgänger an, als dass es die Traurigkeit wieder aufnimmt - und zwar erneut mit voller Wucht. Wer nach aufbauenden Worten sucht, sucht hier vergebens. Stattdessen verleiten die Klänge dazu, sich mit einer Tasse Tee unter der Decke zu verkriechen. Dabei umhüllen den Hörer sanfte Klänge, für die das Wort melancholisch eigens hätte erfunden werden müssen.

Die elf Stücke, die unter Art-Pop laufen, dürfen auch genau als solche verstanden werden. Ryder-Jones komponiert und arrangiert erneut verschiedene Elemente aneinander, benutzt verschiedene Instrumente, wechselt das Tempo, wann ihm danach ist. In „Christina That’s The Saddest Thing“ wird das Klavier mitten im Stück unglaublich schnell, nur um kurz später wieder zur altbewährten Ruhe zurück zu finden. In „Wild Swans“ dagegen wird deutlich, was diesmal anders ist. Neben seinen bereits bewiesenen Fähigkeiten versucht sich der Künstler vermehrt nun als Singer und Songwriter. Die Stimme dazu hat der junge Brite allemal! Ob die Inspiration diesmal wieder aus einem Roman kam, lässt sich schwer sagen. Trotzdem gibt es über dieses Album natürlich wieder kleine Kuriositäten erzählen. So wurde, getreu der Lo-Fi-Klänge, kein Studio gemietet. Ryder-Jones nistete sich lieber im Haus seiner Mutter, genauer genommen, in seinem alten Kinderzimmer ein. Kindisch oder unselbstständig wirkt seine Musik deshalb aber nicht.

Dem Engländer, mit dem typischen britischer-Musiker-Look auf dem Pressefoto zum neuen Werk, wird die Erwachsenen-Rolle mehr abgenommen denn je. Auch wenn er im letzten Lied, „Bad wind blows through my heart Pt.2“, das den Kreis sozusagen schließt, „I can’t be trusted“, singt. Wer so schöne Musik macht, dem darf man gerne vertrauen. Einziger Kritikpunkt: ein bisschen mehr Konstante, ein bisschen weniger Experimente und auf Anhieb würde Ryder-Jones mehr Hörer locken.

Anspieltipps:

  • The lemon trees #3
  • Wild Swans
  • Christina that’s the saddest thing
  • A bad wind blows in my heart pt. 2

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