Retro Stefson - Retro Stefson - Cover
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Retro Stefson Retro Stefson


  • Label: Les Freres Stefson
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Isländer sind wieder los.

Es gibt Hörer, die sich einzureden versuchen, dass die Kombo Retro Stefson aus Island Pop-Musik macht. Dafür muss man schon einen ordentlichen Reykjavik-Intus haben, wenn die Retro-Elektro-Rundreisen des vielköpfigen Gespanns noch als Pop-Musik durchgehen sollen. Auf dem selbst betitelten Album geben sich die sieben Raubritter des selbsternannten Kunst-Kontinents Island alle Freiheiten und landen irgendwo in den Achtzigern, ohne die Moderne aus den Augen zu verlieren.

Was sich da gleich zu Beginn in „Solaris“ aufbaut, ist durchaus ambitioniert. Sphärische Töne liegen übereinander und aus der dumpfen Dichte klingen Töne durch, die auch dem letztjährigen Dub-Hype geschuldet sind. Aber alles klingt so fein und sauber, ohne an die stampfende Urgewalt vieler DubStep-Künstler zu erinnern. Kunstvoll und elegant werden tanzbare Lounge-Klänge an die Öffentlichkeit gebracht. Dieser anspruchsvolle und ansprechende Auftakt ist allerdings allein natürlich viel zu langweilig für eine isländische Band. Die sieben Irren haben einen Ruf zu verteidigen.

Dies geht allerdings mit sehr eintönig gehaltener 80er-Dance-Pop-Musik ordentlich nach hinten los („Glow“ und „Qween“), bevor tatsächlich reine Pop-Musik mit artgerechter Rhythmusschablone in „Miss Nobody“ zumindest unterhaltsam bunte Popmusik präsentiert. Umhauen tut die gelungene Nummer zwar nicht, doch auf diesem Niveau hört man gerne weiter. Leider verliert sich das Album viel lieber in repetitiven und nichtssagenden Melodien („Time“ und „True“), wenn es nicht gerade auf den nicht weniger wiederholenden, aber dafür als Lounge-Titel gelungeneren Stil der dichten Atmosphäre setzt („She Said“).

Aus irgendeinem Grund hat sich unter diesen sehr zweigeteilten Mix auch „(o) Kami“ gemischt. Dass ein Lied mit japanischem Titel auf nahöstliche Soundbits setzt, darf einen nicht überraschen oder ärgern, da es sich bei „(o) Kami“ um den interessantesten Song des Albums handelt. Hier ist Spielfreude zu entdecken, die tanzbar ist, ohne sich der sonstigen Langeweile zu ergeben. Bis auf die genannten positiven Ausschläge wissen Retro Stefson nämlich nicht so wirklich, wie sie ihre Musik spannend gestalten, und verlieren sich in altbackenen Strukturen, die so gar nicht zum progressiven Island passen wollen.

Anspieltipps:

  • (o) Kami
  • Miss Nobody
  • Solaris

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