Bring Me The Horizon - Sempiternal - Cover
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Bring Me The Horizon Sempiternal


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Neue Platte, neuer Keyboarder, neuer Sound. Das wird nicht allen gefallen.

Ein dominantes Keyboard, klarer Gesang, eine Gitarre, die erstaunlich oft in den Hintergrund gedrängt wird und dazu noch mindestens ein Song, den man ohne Bedenken seiner Mutter vorspielen könnte - Bring Me The Horizon klangen definitiv schon mal härter. Der tiefsitzende, alles zerstörende Hass ihres frühen Meisterwerkes „Suicide Season“ (2008) scheint auf ihrem neuen Album ein Stück weit verflogen zu sein. Ok, die Texte von Oliver Sykes sind immer noch nix für Grundschulkinder und es befinden sich auch noch genügend Songs auf „Sempiternal“, zu denen problemlos ein Circle Pit gestartet werden kann, aber insgesamt steuern die fünf Jungs deutlich auf ruhigere Gewässer zu.

Was nicht heißen soll, dass die Band damit grundsätzlich schlechter wird - sie verändert sich nur in eine Richtung, die nicht bei jedem Fan Anklang finden wird. Es wäre zu einfach, den auffallend häufigen Gebrauch von Keyboard-Sounds und elektronischen Klängen ausschließlich ihrem neuen Mann an den Tasten zuzuschreiben. Ja, Jordan Fish ist eine Personalie, die man nicht überhören kann. Allerdings besaß das musikalische Werk von Bring Me The Horizon auch schon vor seinem Beitritt eine ausgeprägte atmosphärische Grundstimmung. Diese bekommt auf „Sempiternal“ lediglich eine deutliche Akzentuierung verliehen.

Das Ergebnis dieses Umschwungs klingt zu einem gewissen Grad überzeugend („Can You Feel My Heart“, „Sleepwalking“), läuft aber ab einem bestimmten Punkt auch Gefahr, das Zielpublikum zu sehr zu verstören („And The Snakes Start To Sing“, „Seen It All Before“). Wären da nicht die punktuell eingestreuten Metalcore-Knaller, man müsste sich ernsthaft Sorgen um die Sheffielder machen. Allen voran „Antivist“, „Shadow Moses“ und „The House Of Wolves“ klingen aber (zum Glück) wie typische Bring Me The Horizon-Kost, zu der getrost eine Konzerthalle zerlegt werden kann.

Der Rest bewegt sich größtenteils im gehobenen Midtempo-Bereich und zieht seine Daseinsberechtigung aus einem schönen Hart-Weich-Kontrast - eine Bezeichnung, die den neuen Sound von Bring Me The Horizon ziemlich gut beschreibt. Auch Oliver Sykes hat sich mit seinem Gesang an den Wandel angepasst: Der Mittzwanziger klingt jetzt deutlich melodischer, was nicht bedeutet, dass die Screams, Growls und Shouts auf „Sempiternal“ völlig verschwunden sind, sie kommen nur seltener zum Einsatz als auf den vorausgegangenen Alben und werden sogar zeitweise durch klaren Gesang ersetzt.

Fazit: Die klanglichen Veränderungen von Bring Me The Horizon haben zu einem tiefgreifenden und vielschichtigen vierten Longplayer geführt, der in dieser Form nicht allen Liebhabern der Band gefallen wird. Zu deutlich sind die Unterschiede zum bisherigen Schaffen, auch wenn das atmosphärische Grundgerüst und der eine oder andere ruhige Song nicht erst seit Neuestem Bestandteile im Werk der Band sind. Mit dieser radikalen Weiterentwicklung machen sich Oliver Sykes, Lee Malia und Co. natürlich angreifbar, sie polarisieren, beweisen aber auch, dass sie nicht auf der Stelle stehen bleiben wollen. Mit Blick auf ihre nächsten Veröffentlichungen befinden sich die fünf Musiker allerdings mittlerweile an einem Punkt, an dem sie aufpassen müssen, dass sie sich nicht zu weit von dem entfernen, was ihre Fans hören möchten. Objektiv betrachtet, ist „Sempiternal“ ein gutes Album geworden. Der Rest bleibt Ansichtssache.

Anspieltipps:

  • Antivist
  • Shadow Moses
  • Sleepwalking
  • The House Of Wolves

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