Thea Gilmore - Regardless - Cover
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Thea Gilmore Regardless


  • Label: Fullfill Records/ALIVE
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die 90er sind vorbei? Das ist Thea Gilmore herzlich egal.

Nach verdienter Schwangerschaftspause gibt sich Thea Gilmore so produktiv wie eh und je. Im 14. Karrierejahr gibt es für Fans das inzwischen 14. Album. Diesmal handelt es sich nach dem Bob Dylan-Tribut „John Wesley Harding“ wieder um Eigenkreationen. Auf „Regardless“ schert sich Gilmore nicht im Geringsten um moderne Trends und macht Pop-Musik, der in den 90ern von Damen wie Shania Twain hätte gepredigt werden können.

Elektronik, Stadion-Hymnen und dergleichen sucht man auf „Regardless“ vergebens. Akustikgitarren und leichte Streicher-Piano-Kollaborationen eröffnen das Album mit „Something To Sing About“ und „This Is How You Find The Way“. Besonders der Opener erinnert dabei trotz der Pop-Ausrichtung der Musik an Thea Gilmores Talent als Songwriterin. Diese Frau erzählt Geschichten eindringlich und inbrünstig. Man hängt an ihren Lippen, sodass die recht harmlose und überholte Musik gar nicht so sehr auffällt.

Damit wären wir auch beim Scheidepunkt dieses Albums. Dass die Produktion modernen Maximal-Pop-Attitüden entsagt, ist in keiner Weise ein Minuspunkt. Allerdings klingt jede Gitarre, jede Piano-Melodie, sowie die Rhythmen wie aus frühen 90er-Radio-Hits. Die Zeichen der Zeit haben an diesen Gerüsten genagt und so muss der Retro-Faktor von Songs wie „Spit And Shine“ beim jeweiligen Hörer funktionieren, um die Geschichten an ihn heran zu bringen.

Die Melodien und Texte hingegen sind eine durchgängige Stärke. Besonders wenn Thea Gilmore erzählt, anstatt dem Pop zu sehr zu verfallen, verfällt man der Songwriterin immer wieder. Der Opener und „Spit And Shine“ sind die Vorzeigebeispiele, wie die Musik der Britin am besten wirkt. Der gewollt, aber nicht immer gekonnt lebendige Pop (ein Hallo an Frau Twain in „Love Came Looking For Me“!) hingegen lässt die Emotionen nie so aufkommen, wie es die Geschichten oder auch die Balladen Gilmores vermögen.

Während besagte Balladen nämlich stechend genau die gewollten Emotionen abrufen („I Will Not Disappoint You“ und „Punctuation“), ist der Pop ausnahmslos dem gesunden Mittelmaß zuzuordnen, was sich aufgrund der quantitativen Verteilung auch auf das Album überträgt. Die Unauffälligkeit vieler Titel lässt „Regardless“ als gelungenes, aber keinesfalls überragendes Werk alternativer Pop-Musik erscheinen. Da überhört man kleine Perlen wie „Spit And Shine“ und „This Road“ auch schon mal und ist mehr der Ansicht, dass die Künstlerin nach der Babypause erst mal wieder in Fahrt kommen muss.

Anspieltipps:

  • This Road
  • Spit And Shine
  • Love Came Looking For Me

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