Tim Bendzko - Am Seidenen Faden - Cover
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Tim Bendzko Am Seidenen Faden


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 55 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ohne eigene Muse, aber mit viel Perspektive in Sachen Mainstream, geht Tim Bendzko in die zweite Runde.

Ach ja, Tim Bendzko. Neben Vergleichen mit Xavier Naidoo und einem meist hoch gelobten Debütalbum, hat sich der junge Popmusiker mit Aussagen, wie dass er seine Lieder auf HipHop-Beats schreibe, nicht unbedingt nur Freunde gemacht. Aber auch die härteren Kritiker hatten am Debüt genug auszusetzen. Sicherheitspop, der bloß niemandem wehtun möchte und letztlich jeden Mut vermissen lässt. Die konsequente Anstrengung, dem Mainstream zu gefallen, wird diese Stimmen nicht leiser werden lassen.

Die gute Nachricht zuerst: Nicht alle Lieder sind so völlig daneben wie das gewollt coole „Die Geier Kreisen Schon“. So klingt es also, wenn Herr Bendzko nicht nur auf HipHop-Beats schreibt, sondern diese auch tatsächlich einsetzt. Peinlicher Disco-Party-Sound, der dann gesanglich durchgehend auf Emotionalität setzt, anstatt Geschwindigkeit und Kraft ins Spiel zu bringen. Bildlich darf sich der Hörer einen Hinterteil schüttelnden Tim Bendzko vorstellen, der dabei mit aller Ernsthaftigkeit Pathos aus seiner Kehle schießt.

Die schlechte Nachricht hingegen betrifft den „besseren“ Rest des Albums. „Ich Steh Nicht Mehr Still“ ist eine gelungene Radio-Nummer. Sie geht leicht ins Ohr, hat einen treibenden Rhythmus und als kleiner Teil und Opener eines gesamten Albums möchte man die kurzweilige Nummer einfach nur positiv aufnehmen. Danach beginnt allerdings ein Wasserfall aus Balladen auf den Hörer niederzuprasseln. Spätestens die fünfte, immer gleiche ruhige Kugel, die da aus den Boxen geschoben wird, langweilt. Wenn die Texte übermäßig gut sind, dann kann man über solch einen Ansatz hinweg hören, doch die Texte versuchen genauso vorsichtig zu sein, wie Bendzko meist bei der Wahl des Sounds ist.

Mutig sind andere und so fährt er weiter in sicheren und seichten Gewässern und setzt darauf, dass möglichst angepasste Töne möglichst viele Hörer finden. Man kann nicht einmal wirklich sagen, ob und wie viel Bendzko verschenkt, da auch „Vorbild“ Naidoo seit geraumer Zeit in einem qualitativen Vakuum vor sich hin dümpelt. Fest steht, dass „Am Seidenen Faden“ schon jetzt zu den langweiligeren Outputs dieses Jahres gehört und man schon viele Sympathien aufbringen muss, um Bendzkos halbgare Mixtur für die Massen zu genießen.

Anspieltipps:

  • Ich Steh Nicht Mehr Still
  • Programmiert
  • Wo Sollen wir Noch Hin

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