Johannes Falk - 360° - Cover
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Johannes Falk 360°


  • Label: Gerth Medien/EDEL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Kontemplativer Songwriter-Pop mit überraschend guten Texten.

Der 1977 in Darmstadt geborene Johannes Falk hatte bereits im Alter von 13 Jahren die Liebe zur Musik entdeckt. Der ursprünglich als Chemielaborant arbeitende Falk erfüllte sich schließlich seinen Traum, als er 2007 mit einem Bachelor Of Arts in der Tasche (Popmusikdesign, Schwerpunkt Singer/Songwriter) die Popakademie Mannheim verließ und seitdem hauptberuflich als Musiker arbeitet. Seine lange musikalische Karriere, unter anderem in der Band On A Mission, reicht weit zurück und bewegt sich solo in eine wahrscheinlich (bzw. verdiente) glänzende Zukunft. Denn Falk beweist, dass seine Musik Hand, Fuß und Herz besitzt. Bereits mit seinem ersten Soloalbum „Pilgerreise“ (2011) konnte er eine erste Duftnote setzen. Sein Zweitwerk „360°“ macht da weiter, wo er mit seinem Debüt aufgehört hat und etabliert Johannes Falk ein für alle Mal als sympathischen, talentierten und höchst professionellen Künstler.

Entgegen aller eventuellen Vorahnungen ist das, was Johannes Falk auf „360°“ macht, höchst abwechslungsreich. Die Befürchtungen, Falk würde voll und ganz in die Kerbe der Söhne Mannheims schlagen, welche er als Support bereits unterstützte, verpufft schon früh. Dieser Mann geht höchst eigenständig vor und verzichtet auf „versilbermondete“ Durchhaltekapriolen genauso wie auf den jugendlichen Spirit und die Coolness des Pre-Hipster-Deutschrocks der späten Nullerjahre. Die vorwiegend vom Piano dominierten Kompositionen atmen dagegen Falks ganz eigene Melancholie - hier am ehesten noch mit den (unterbewerteten) Albentracks von Juli oder den ruhigen Songs von Mein Mio zu vergleichen. Titel wie „Nasse Füße“, „Nocturne“, „Fallen lassen“, „Mein Platz bei dir“ oder - ganz großartig - „Der alte Mann und das Meer“ werden komplett vom Klavier und dezent eingesetzten Streichern getragen. Sie kommen sehr ruhig, teilweise unbefangen, aber stets mit einem sentimentalen Unterton daher. Hier findet sich die größte Stärke von Johannes Falk. Er sprengt die Pop-Ketten, die man bei einem ersten Hörgang vielleicht hätte um ihn legen wollen und nähert sich mehr als ein Mal sogar dem Art-Pop, ohne dabei verkopft oder gezwungen zu wirken.

Lyrisch ebenfalls äußerst stilsicher, zeigt Falk Reife und hat es weder nötig, auf Kapriolen rumzureiten, noch die halbhörigen Ohren eines Radiopublikums erreichen zu müssen. Er ist kein großer Lyriker wie Regener, Wecker oder Wader, aber um Welten besser als das, was die deutsche Musiklandschaft ansonsten im Mainstream zu bieten hat. Weniger ist mehr - gut erkannt! Zwar können die Texte nicht durchgehend das erreichte hohe Niveau halten, doch insgesamt kriegt man immer rechtzeitig die Kurve, um negativen Assoziationen aus dem Weg zu gehen.

Der fast ausschließlich empfindsame Pop Falks zieht sich wie ein roter Faden durch „360°“. Auch flottere Kompositionen wie „Alles was ich bin“, „Die Letzten“, „Ich kann nicht aus meiner Haut“ (mit leichtem Andreas Bourani-Einschlag) oder „Ich bau uns eine neue Welt“ sind keine Platzhirsche und vollenden das homogene Gesamtwerk von Falks zweitem Album. Sicher und selbstbewusst hangelt er sich durch verschiedene Emotionen und weiß, wann rockige Elemente angebracht sind und wann nicht. Johannes Falk weiß definitiv, wo er mit „360°“ hin will und überzeugt mit einer erwachsenen Herangehensweise im Songwriting: Herumprobieren und Experimentieren ist gar nicht nötig, wenn man doch genau weiß, wohin die musikalische Reise gehen soll. Freunde von deutschem Songwriter-Pop sollten daher unbedingt mal in dieses Album rein hören.

Anspieltipps:

  • Die Letzten
  • Der alte Mann und das Meer
  • Nasse Füße
  • Nocturne
  • Ich bau uns eine neue Welt
  • Mein Platz bei dir

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