Senses Fail - Renacer - Cover
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Senses Fail Renacer


  • Label: Workhorse Music/ALIVE
  • Laufzeit: 43 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Emocore und Pop-Punk vom Reißbrett – den Jungs aus New Jersey gehen langsam die Ideen aus.

Elf Jahre haben die New-Jersey-Hardcoreler Senses Fail bereits auf dem Buckel. Dabei haben die Jungs um Bandchef James „Buddy“ Nielsen mehr und mehr eine Wende gemacht. Anfangs noch Screamo, sind Senses Fail mittlerweile voll im Mainstream integrierte Künstler, die bisweilen sogar klare Pop-Strukturen zeigen. Dem kommerziellen Erfolg kommt das zumindest in den USA voll zupass. Auch ihr fünfter Longplayer „Renacer“ dürfte die bisher eher moderate, aber durchaus existente Erfolgsgeschichte von „The Fire“ (2010) oder dem bisher meist beachteten Werk „Still Searching“ (2006) fortführen. Da ist es fast schon klar, dass man auf Nummer sicher geht.

„Renacer“ beschreitet im Gegensatz zu seinen Vorgängern leicht andere Wege, ohne aber den hauseigenen Sound zu verleugnen. Oder zumindest versucht man diesen Eindruck zu erwecken. Dafür sind diese Jungs einfach mittlerweile zu routiniert und sicher. Die kleinen Experimente machen die Kuh dann letztendlich auch nicht fett. Eher zaghafte, aber deutlicher zu erkennende Elemente von traditionellem Metal („Holy Mountain“, „Mi Amor“, „Snake Bite“) finden viel öfter als zuvor Eingang in den Sound. Der eine oder andere Ausflug in den „Snotcore“, der in Kompositionen wie „Glass“ oder „Courage Of The Knife“ klar festgehalten wurde, ist selbst für eine ehemals klar im Emocore angesiedelte Gruppe erschreckend bieder und veraltet. Es versteht sich da fast schon von selbst, dass nach den melancholischen Stellen stets der Ausbruch folgt. Das ist zwar ein Stilmittel und Trademark, hier aber stellenweise so vorhersehbar wie ein Strophe-Refrain-Strophe-Schema in der Popmusik. Andere Bands haben das weitaus besser drauf und wissen, wie man damit spielt und den Hörer bei der Stange hält. Lediglich das an Dredg erinnernde „Closure/Rebirth“ geht einen interessanten Weg und zwängt sich aus dem Konzept. Der Rausschmeißer „Between The Mountains And The Sea“ schließlich wird als sphärische Ballade präsentiert und lässt in dieser Form auch klar aufhorchen.

Das Gros des Materials auf „Renacer“ wirkt jedoch recht konstruiert und täuscht nicht darüber hinweg, dass eine kleine Modifikation im Sound diesen nicht zwangsläufig erneuern kann. Zu seinen besten Momenten reißt das Album mit oder weiß mit leicht progressiven Arrangements zu überzeugen. Zu seinen schlechteren oder zumindest durch und durch mittelmäßigen hingegen, wirkt „Renacer“ erschreckend uninspiriert und belanglos. Fans der US-Amerikaner werden sich daran nicht unbedingt stören - Senses Fail ziehen letztendlich ihr Ding konsequent durch und bieten von allem nichts neues, dafür aber ein wenig mehr vom bereits Gehörten. Erste Abnutzungserscheinungen machen sich allerdings bemerkbar und werfen die Frage in den Raum, in welche Richtung es mit dieser Band weiter gehen wird.

Anspieltipps:

  • Holy Mountain
  • Mi Amor
  • Closure/Rebirth
  • Between The Mountains And The Sea

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