U.D.O. - Steelhammer - Cover
Große Ansicht

U.D.O. Steelhammer


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 62 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit neuer Mannschaft im Rücken erstrahlt Rumpelstilzchens Lieblingsband in neuem Glanz.

Rev-Raptor“ (05/2011) machte als 13. Album der traditionsbewussten Heavy Metal-Formation U.D.O., rund um Gesangswichtel und Ex-Accept-Goldkehlchen Udo Dirkschneider, dem schlechten Omen seiner innewohnenden Unglückszahl alle Ehre und verstand sich als das schwächste Werk seit langem. Als wäre das alleine für die Fans nicht schon hart genug, gab es auch bandintern mehrere Rückschläge. „Als Stefan (Kaufmann, Anm. d. Red.) die Band aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste, wurden wir quasi von einem Tag auf den nächsten ins kalte Wasser geworfen. Es waren nun wir, die wir uns selbst um die Produktion kümmern sollten. Dann setzen wir uns zusammen, tauschten Ideen aus und hatten ein paar Drinks zusammen - und genau dieses Szenario war die Zeitmaschine, mit der wir uns zurückversetzt in die alten Tage fühlten“, erzählt Mr. Reibeisenstimme über den Abgang seines langjährigen musikalischen Weggefährten. Doch nicht nur Gitarrist und Produzent Kaufmann verließ die Band, auch Igor Gianola strich die Segel, sodass mit Andrey Smirnov und Kasperi Heikkinen nun die komplette Doppelaxtformation ausgetauscht wurde.

Die Kompositionen selbst haben davon zwar nicht direkt profitiert, da ein Großteil der Tracks schon vorher geschrieben wurde, doch zumindest am Klangbild hat sich einiges verändert. So klingt die Schlagzeugsektion nicht mehr wie ein paar Blecheimer und überhaupt besitzt „Steelhammer“ dem Titel entsprechend mehr Dampf als dies noch vor zwei Jahren der Fall war. Gut, der Titeltrack ist der ewig gleiche, pfeilschnell-donnernde Teutonenstahl wie bei jedem neuen U.D.O.-Album, doch die restlichen Nummern sind abwechslungsreicher denn je. Im Klartext bedeutet das grandiose Refrains zum Mitgrölen („Metal machine“, „Timekeeper“, „Take my medicine“), vor Energie berstende Midtempo-Granaten („A cry of a nation“, „Never cross my way“), übelster Balladenquatsch („Heavy rain“), 80er-Jahre Reminiszenzen („When love becomes a lie“), zappelige Keyboardsamples („Devil´s bite“) und durch die Botanik preschender, unverfälschter Heavy Metal aus dem 08/15-Regal („Death ride“, „King of mean“, „Stay true“).

Völlig aus dem Rahmen fällt das fetzige „Basta ya“ mit spanischem Text und unbändiger Spielfreude, das wohl von nun an auf keinem Livekonzert fehlen darf, und der äußerst seltsam anmutende Albumender „Book of faith“. Was als Cha-Cha-Cha in einer verrauchten Kellerbar beginnt, steigert sich zu einem im Stechschritt exerzierendem Midtempo-Stampfer, der nach und nach mit opulenten Streichern und Bläsern gefüllt wird, um einen Schlusspunkt als durchgeknallte Muse-trifft-Saxon-Hommage zu finden. Hut ab, Mr. Dirkschneider! Der Preis für den wahnwitzigsten Heavy Metal-Track der letzten Jahre geht an Sie! Doch nicht immer ist die Zeit so sinnvoll genutzt wie in den beiden letztgenannten Beispielen, da sich Udo & Co. bei der Durchschnittlänge wohl auf 4 Minuten geeinigt haben und diese Blaupause mit blindem Gehorsam abgearbeitet wird, was nichts anderes bedeutet, als den Refrain in den letzten zwei Minuten der betroffenen Songs in Endlosschleife zu hören oder (wesentlich besser) zumindest ein nettes Gitarrensolo vor Einsetzen des letzten Hooklineloops begutachten zu dürfen. Wäre hier sinnvoll gekürzt worden, hätte „Steelhammer“ ein Meilenstein in der Diskographie von U.D.O. werden können. In der vorliegenden Form reicht es aber zumindest für eine hervorragende Rückbesinnung auf alte Stärken.

Anspieltipps:

  • Basta Ya
  • Timekeeper
  • Book Of Faith
  • Metal Machine
  • Take My Medicine

Neue Kritiken im Genre „Heavy Metal“
Diskutiere über „U.D.O.“
comments powered by Disqus