Coal & Crayon - World Asleep - Cover
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Coal & Crayon World Asleep


  • Label: 7hard/New Music Distribution
  • Laufzeit: 51 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf einen solch kreativen und frischen Newcomer hat die Prog-Welt lange warten müssen.

„Prog is not dead!“ Natürlich nicht, aber so richtig lebendig ist er auch nicht. Seitdem der Prog Metal Anfang der 90er-Jahre salonfähig gemacht wurde, sprießen Plagiate und Plagiate von Plagiaten der ganz Großen aus dem Boden. Wirklich progressiv ist hier mittlerweile nichts mehr, dafür aber überaus leicht einzuordnen und klassifizierbar. Das Genre ist in einer der qualitativ hochwertigsten Sackgassen der Musiklandschaft angekommen. Viele (junge) Acts führen daher den Begriff „progressiv“ ad absurdum und zitieren nur noch. Wirklich spannend und eigenständig sind dagegen die wenigsten Bands. Doch glücklicherweise gibt es alle Jubeljahre immer wieder eine Gruppe, die die Kinnlade noch herunter klappen lassen können, als töne da gerade der Anfangsriff von „Pull Me Under“ aus den Boxen! Coal & Crayon, bestehend aus fünf jungen Männern von der größten deutschen Insel, ist eine solche Band. Ihr progressiver Metal ist dermaßen frisch, unverbraucht, dabei aber gleichzeitig so natürlich und großartig komponiert, dass selbst alte Hasen und Kenner des Genres aus dem Staunen nicht heraus kommen werden.

Dass es sich bei Coal & Crayon um absolute Ausnahmekünstler in der deutschen Prog-Szene handelt, wird auf „World Asleep“ durchgängig deutlich gemacht. Es ist unglaublich schön zu hören, dass das Genre noch ideenreich und spannend präsentiert werden kann, ohne dass man sich munter an bereits unzähligen Kopierversuchen bedienen muss und diese auch noch als Verkaufsargument angibt. Coal & Crayons diverse Genrekollegen spielen allesamt auf einem hohen Level, sind aber null eigenständig. Selbstverständlich hört man bei den fünf Rügenern auch den einen oder anderen Einfluss heraus. Eine echte, organische Neuerfindung des Genres ist streng genommen auch gar nicht mehr möglich. Helden und Genregrößen halten auch hier den Kopf hin, verlieren ihn aber nicht. Das Quintett hat definitiv seinen ganz eigenen Sound gefunden und schippert auf seinem „World Asleep“ recht einsam auf dem Ozean herum. Ein wenig Riverside- oder Änglagard-Melancholie („Harbour“, „Into The Brook“) gibt es genauso wie Opeth`sche Herbstklänge der „Damnation“-Phase („Charybdis“, „My Old Fellows“), welche immer wieder mit hartem Riffing oder sogar durch ein Akkordeon Kontraste bekommen. Die durchgängig gewählte Seefahrer-Thematik passt dabei wie die Faust aufs Auge. Als Konzeptalbum konzipiert, behandelt „World Asleep“ das Thema Verlust, bettet dieses jedoch zusätzlich in das erwähnte Meeres-Konzept ein. Diese unbarmherzige Schwere des Ozeans erinnert an die Meister von Ahab - allerdings ohne die Doom-Komponente, dafür aber mit dem hypnotischen Vibe eben dieser oder der späten Sieges Even.

Dank der Tatsache, dass Coal & Crayon eben von Rügen kommen, gibt es zudem die Authentizität als Bonus obendrauf. Alle Burschen beherrschen ihre Instrumente und spielen sich die Seele aus dem Leib. Frontmann John Killies ist dabei ein echter Gewinn, dessen Organ eine große Bandbreite umfasst - sowohl die ruhigen, als auch die harten Passagen meistert er souverän. Das alles macht „World Asleep“ zu einem kleinen aber durch und durch faszinierenden Werk, welches eine genauere Betrachtung von Fans des Genres unbedingt verdient hat. Im überfüllten Prog-Pool sind Coal & Crayon wirklich heiße Newcomer, die es endlich wieder schaffen zu begeistern. Und ohne falsche Bescheidenheit: Auf einen solchen kreativen und innovativen Newcomer hat die Szene wirklich lange warten müssen. Sollte den Jungens aus Rügen die Beachtung zuteilwerden, die sie verdienen, wird es ein Leichtes sein, international mitmischen zu können. Geheimtipp!

Anspieltipps:

  • Shipwrecked
  • My Old Fellows
  • Harbour
  • Rain
  • Charybdis

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