The Quill - Tiger Blood - Cover
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The Quill Tiger Blood


  • Label: Metalville/Rough Trade
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Erhaben, machtvoll und eingängig – aber auch ziemlich routiniert.

Sie sind wieder da! Nachdem das Bestehen der Band auf der Kippe stand, haben die Herren von The Quill kleinere und größere Krisen souverän überwunden und meldeten sich 2011 mit dem Quasi-Comeback „Full Circle“ zurück. Magnus Arnar (Gesang), Christian Carlsson (Gitarre), George Atlagic (Schlagzeug) und der wieder an Bord gekommene Bassist Roger Nielsson (ex-Spiritual Beggars) machen das, was sie schon über 20 Jahren am besten können: Stoner-Rock aus der schwedischen Taiga. Und so kehrten die als Live-Macht bekannten The Quill ins Studio zurück, um an einem neuen Longplayer zu basteln. Das Ergebnis: die Schweden bauen auf Erfahrung, ihre eigenen Qualitäten, aber auch all zu sehr auf Routine und Vorsicht.

„Tiger Blood“ prescht also in gewohnter Manier vor. Die Schweden bleiben ihrem Stil weitgehend treu – eventuelle Änderungen oder Anpassungen im Sound sind eher dezent. Hauptsächlich bietet man dem Fan den bewehrten Stoner-Rock, der gekoppelt mit geradlinigem Rock nicht nur sehr smooth daherkommt, sondern diesmal definitiv das Potential besitzt ein relativ großes Publikum ansprechen zu können. Wer also sonnengegerbten Stoner-Rock mit Staublunge der Marke Kyuss sucht, wird bei The Quill abermals nicht fündig, auch wenn „Death Valley“, „Purgatory Hill“, Sweet Rush“ und „Darkest Moon“ tonnenschwere, groovende und erhabene Rocker sind, die dem Genre an und für sich noch am ehesten Ehre machen können. Gerade solche Kompositionen zeigen die größte Stärke von The Quill – die Badass-Attitüde und die Coolness stehen den Schweden auch auf ihren siebten Album extrem gut und geben „Tiger Blood“ eine opulente und kraftvolle Note.

Da ist es fast schon schade, dass „Go Crazy“, „Getaway“ oder die akustisch gehaltene Ballade eher in die seichtere Rock-Ecke gehen und als klare Kontraste zu den Glanzlichtern des Albums zu werten sind. Allenfalls spielt man ein wenig mit Elementen von Alternative, Grunge und 60s-Rock, wie zum Beispiel in „Getaway“, und bringt jene immer wieder zaghaft in den Sound mit ein. Solche Ausflüge bleiben aber eher die Ausnahme und wirken vielmehr wie ein Gimmick, welches für Auflockerung sorgen soll als eine sinnvolle Erweiterung.

Das größte Problem von The Quill ist weiterhin, dass „Tiger Blood“ wieder einmal relativ wenig Abwechslung bietet, im Vergleich zum 2006er Album „In Triumph“ aber zumindest mehr Höhepunkte aneinander reihen kann. An den persönlichen Band-Klassiker „Voodoo Caravan“ (2002) kommt man allerdings nach wie vor nicht heran – dafür sind The Quill sich ihrer Sache einfach zu sicher, ihr Material „nur“ solide. Dafür profitiert der Longplayer von einer wirklich astreinen Produktion, die den zehn Kompositionen den nötigen Druck gibt und ähnlichen Bands klar demonstriert, wie sich Stoner-Rock (egal in welcher Form) anzuhören hat. Und auch an den Instrumenten bzw. am Mikro lässt man sich nicht lumpen und beweist, dass man eine eingespielte Combo ist, die definitiv ihren eigenen Stil gefunden hat und weitgehend ihre Stärken und Schwächen kennt. „Tiger Blood“ ist somit mehr vom Altbewährten, nicht unbedingt frisch, aber attraktiv genug, dass Fans zufrieden und Freunde des Genres interessiert sein sollten.

Anspieltipps:

  • Death Valley
  • Purgatory Hill
  • Darkest Moon
  • Sweet Rush

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