Drowning Pool - Resilience - Cover
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Drowning Pool Resilience


  • Label: Eleven Seven/EMI
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Drowning Pool versuchen nach allen Regeln der Kunst, wieder relevant für das Musikbusiness zu werden.

Eigentlich ist es unfair, bei jedem neuen Album, das das Vierergespann auf den Markt bringt, die Frage zu stellen, wo Drowning Pool heute wären, würde Dave Williams noch immer unter uns weilen. Vermutlich wäre der 2002 an einer seltenen Herzkrankheit verstorbene Sänger über kurz oder lang nach dem platinveredelten Debüt „Sinner“ (06/2001) ohnehin zu einer anderen Truppe gewechselt und das texanische Gespann, das mit „Resilience“ das fünfte Album mit dem vierten Wechsel an der Mikrofonfront veröffentlicht (neben C.J. Pierce (Gitarre), Stevie Benton (Bass) und Mike Luce (Schlagzeug) komplettiert dieses Mal Jasen Moreno das Bandgefüge), genau dort, wo es heute ist: Als ehemals erfolgreiche Nu Rock/Metal-Band auf dem schmalen Grat zwischen Relevanz und Gleichgültigkeit.

Dabei haben Drowning Pool mit dem quirligen Moreno einen Sänger gefunden, der mit Leibeskräften den Text aus seinen Lungen schreit, aber auch ruhige Passagen souverän meistert, was vor allem in der Halbballade „In memory of…“, die zum zehnjährigen Todestag von Williams geschrieben wurde, zum Ausdruck kommt. Stellenweise orientiert sich der Junge zwar zu stark an der langgezogenen Phrasierung eines Stephen Richards (Taproot) und ist dann beinahe kaum von ihm zu unterscheiden („Skip to the end“), aber solange das nicht ausartet und Drowning Pool auf einmal klingen wie eine Band, die ihren Zenit überschritten hat, wie sie versucht, eine Band zu kopieren, die ihren Zenit überschritten hat, ist alles im grünen Bereich.

Was auf „Resilience“ jedoch massiv stört, ist das inkohärente Profil der 13 Songs. Mal wird mit direkten Kopien alter Tracks wie z.B. „Follow“ auf billige Art und Weise in Erinnerungen gebadet („Broken again“), dann ist wiederum Copy & Paste bei den ausschließlich neuen Nummern gefragt („Anytime anyplace“ und „Blindfold“ sind im Großen und Ganzen derselbe Song mit unterschiedlichem Text), mal kramt man die besonders dicken Skaterhosen aus dem Schrank und trifft sich mit Limp Bizkit in der Halfpipe („One finger and a fist“), und im nächsten Moment setzt der Vierer dem Hörer ein emotional aufgeladenes Stück mit hymnischem Unterbau wie „Bleed with you“ vor, das durchaus seine Daseinsberechtigung besitzt, in jeder Sekunde aber die Frage stellt: Das soll Drowning Pool im Jahre 2013 sein? Und haben wir dafür nicht eigentlich schon hunderte andere Bands, die ganze Alben aus dieser Substanz zusammenzimmern (siehe Story Of The Year, The Used, Funeral For A Friend)?

Unterm Strich bleibt „Resilience“ irgendwo zwischen der guten, alten Zeit, den Anfängen einer kompletten Neuausrichtung und der gern verwendeten „Besser gut geklaut als schlecht erfunden“-Mentalität stecken und obwohl man dem Longplayer nicht das Prädikat „schlecht“ oder „langweilig“ aufbürden kann, so hat man dennoch stets das Gefühl, nur einen aufgewärmten Cheeseburger vorgesetzt zu bekommen. Er schmeckt in Ordnung, aber frisch wäre er einem dann schon lieber.

Anspieltipps:

  • Life Of Misery
  • Bleed With You
  • One Finger And A Fist

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