Device - Device - Cover
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Device Device


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Draimans Egotrip beinhaltet „intelligentes Design, den Einsatz von Technologie und ist von explosiver Natur.“

Im Leben eines jeden Rockstars keimt früher oder später der Wille nach Veränderung, der Wunsch nach etwas völlig anderem. Wo dies bei einer Cashcow wie Kiss in den 70er Jahren als Therapie praktiziert wurde, sind Soloalben einzelner Bandmitglieder heutzutage meist der Versuch, sich und seinen Kritikern etwas zu beweisen, aus seinem angestammten Umfeld auszubrechen und ohne Rücksicht auf Verluste kunstvollen Stilrichtungen zu frönen, von denen die Zielgruppe meist nicht einmal gehört hat. Dieses Problem dürfte Device, der Disturbed-Pausenfüller von David Draiman, nicht haben, denn elektronische Spielereien gab es auf den bisher veröffentlichten Studioalben schon einige, selbst wenn diese nie die Konsequenz der vorliegenden zehn Tracks annahmen.

Zur Unterstützung hat sich die singende Glatze allerdings nicht nur Kumpel Geno Lenardo (Ex-Filter) ins Boot geholt, sondern auch gleich eine ganze Wagenladung an Gaststars ins Studio bestellt. Wem bei der illustren Feature-Liste bereits das Wasser im Mund zusammenläuft, dem sei jedoch geraten, die CD nicht nach ihrem Lineup zu bewerten, da bereits das eröffnende, relativ durchschnittliche Duo aus „You think you know“ und „Penance“, zusammen mit einem kleinen Schuss Industrial, genauso gut auf „Asylum“ oder „Indestructible“ zu finden gewesen wäre. Erst bei „Vilify“ grinst Christian Lorenz (Rammstein) schelmisch zur Tür hinein und erinnert den Hörer daran, dass er es nicht mit einem wummernden Heavy Metal-Output amerikanischer Prägung zu tun hat, sondern mit einem wummernden Industrial Rock-Output, bei dem ein Amerikaner am Mikro steht.

Oder etwa doch nicht? Das Lita Ford/Ozzy Osbourne-Cover „Close my eyes forever“ schlägt nämlich einen gänzlich anderen Weg ein und verfrachtet den schmachtenden Zeitgeist des Jahres 1989 als gruselige Schnulze mit Halestorm-Küken Lzzy Hale und offenkundiger „Kashmir“-Referenz in die Jetztzeit. Dem Himmel sei Dank zerrt Black Sabbath-Urgestein Geezer Butler den Karren aus dem Dreck und spendiert dem folgenden „Out of line“ eine saftige Basslinie, die dem Song nicht nur eine fetzige Note auf den Weg gibt, sondern auch das Unterfangen „Device“ wieder in das rechte Licht rückt. Der ebenfalls anwesende Serj Tankian (System Of A Down) ist zwar nur nettes Beiwerk oder wurde lediglich engagiert, um die Außergewöhnlichkeit des Tracks zu unterstreichen, nichtsdestotrotz schlummert in den 3 ½ Minuten dieses Monsters die gesamte, nicht im Ansatz befriedigte Erwartungshaltung von Draimans Nebenprojekt.

Was für ein grandioses Werk hätte der charismatische Glatzkopf mit etwas mehr Mut und ausgefalleneren Ideen nur schaffen können?! Stattdessen gibt es altbekannte, zackige Rhythmen aus der Disturbed-Mottenkiste („Hunted“), die elektronisch aufgebrezelt und mit einigen Gästen wie Tom Morello (Rage Against The Machine), M. Shadows (Avenged Sevenfold) oder Glenn Hughes (Black Country Communion, Ex-Deep Purple) gespickt wurden, da dies bei Draimans Hauptband anscheinend „nie wirklich möglich“ war. Punkt. Die Kollaboration mit letztgenanntem Gast namens „Through it all“ mag zwar sicherlich eine atmosphärisch-düstere Ballade mit ansprechendem Twist sein, doch wenn einige Minuten zuvor „War of lies“ als wirres Durcheinander den Gehörgang verstopft hat, dann ist das Vorhaben hinter „Device“ nicht „intelligentes Design“ mit „explosiver Natur“ zu verknüpfen, sondern einzig und allein den Spielplatz, den Draiman von seiner Plattenfirma zur Erlangung seiner kreativen Förderung bekommen hat, im Guten wie im Schlechten auszuschöpfen, um das konsekutive Erreichen der Pole Position in den Billboard Charts mit dem nächsten Disturbed-Album nicht zu gefährden. Ganz wie in den guten alten 70er Jahren!

Anspieltipps:

  • Haze
  • Out Of Line
  • Through It All

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