Major Lazer - Free The Universe - Cover
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Major Lazer Free The Universe


  • Label: Because Music/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Von Bruno Mars’ Liebe zu weiblichen Pobacken und anderen interessanten Fakten.

Als Major Lazer-Sympathisant der ersten Stunde staunte man nicht schlecht, als zwei Jahre nach dem fulminanten Dancehall-Knaller „Guns Don´t Kill People…Lazers Do“ (07/2009) Beyoncé aus dem darauf enthaltenen „Pon de floor“ eine vor Girl Power strotzende Eigeninterpretation namens „Run the world (Girls)“ zimmerte und sich somit tief vor dem Produzentenduo Diplo (Wesley Pentz) und Switch (Dave Taylor) verbeugte. Neben der unbändigen Kreativität konnte kein besseres Argument im ohnehin sehr prall gefüllten Lebenslauf der beiden stehen und Warner Music krallte sich kurzerhand die zwei Herrschaften, die nun mit „Free The Universe“ den Reigen um einen Superhelden, der bereits im geheimen Zombiekrieg von 1984 kämpfen und dabei seinen rechten Arm verlieren durfte (er hat jetzt übrigens eine Laserkanone als Prothese), weiterführen. Dieses Mal zieht er jedoch nicht wie vor vier Jahren gegen Vampire und andere Monster ins Gefecht, sondern der böse General Rubbish terrorisiert mit seinem, ähem, „Terror Lazor“ die Erde und diesem soll gemeinsam mit Major Lazers neuer Partnerin Knife Fight der Garaus gemacht werden.

Auf die Musik hat der hanebüchene Science Fiction-Plot bis auf das knallbunte Artwork allerdings keinen Einfluss, stattdessen vergnügen sich satte 30 (!!) Gastauftritte in mal besonders schlüpfrigen, mal ausnahmslos partytauglichen Dancehall/Afrobeat/Hip Hop/Electro-Tracks auf der Platte und beweisen, dass viele Köche nicht zwangsläufig den Brei verderben müssen, denn im Vergleich zu anderen Alben mit Kollaborationswut verlieren Diplo & Switch nie den Überblick, auch wenn es einige Kompositionen mit ihren irrwitzigen Ideen ein wenig zu gut meinen. Paradigmatisch hierfür wäre die erste Singleauskoppelung „Get free“ zu nennen, die mit ihrem nervigen, zwischen Gesang und übersteuertem Geschrei hin und her pendelnden Beitrag von Amanda der Art Pop-Truppe Dirty Projectors nicht viel Raum zwischen Lieben und Hassen lässt, während Shaggy in „Keep cool“ etwas zu entspannt an die Sache heran geht und lediglich wummernde Bassläufe als Gegenargument zur gedrückten Skip-Taste bereit hält.

Wesentlich entschlossener erobert „Jet blue jet“ mit gepitchten Vocals und zappeligen Synthies den Dancefloor, mit „Jah no partial“ lassen Major Lazer einen euphorisierten Reggae/Techno/Dubstep-Hybriden auf die Menschheit los, „Scare me“ installiert Peaches und Timberlee als Kommandanten eines gut gelaunten Dancehall/Electroclash-Kreuzers und wenn „Watch out for this“ und „Mashup the dance“ ihre dreckigen Basslines mit afrikanischen Beats und dem simpel-genialen Marschrhythmus einer Snare Drum kombinieren, tropft der Schweiß in der Discothek des Vertrauens ohne Unterlass von der Decke. Neben diesen aufgekratzten Partynummern kredenzen Diplo & Switch aber auch ein paar entspannte Stücke, die entweder als schräges Liebeslied im Reggaemantel („Jessica“), nüchterner Dubexkurs („Playground“) oder jamaikanischer Wattebausch mit einem einschmeichelnden Wyclef Jean darin („Reach for the stars“) aus den Boxen perlen. Dieses weitläufige Angebot aus Wohlfühl- und Partytracks funktioniert auf „Free The Universe“ zwar eine Spur besser als auf dem Vorgänger, dafür ist „Guns Don´t Kill People…Lazers Do“ das kompromisslosere und in weiterer Folge auch mutigere Album von beiden.

Wo eine Zusammenarbeit mit Elephant Man dem Hörer beim letzten Mal angesichts der expliziten Ausdrucksweise des werten Herrn wahrscheinlich die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte, begnügt sich der Jamaikaner in „Wind up“ mit Afrojack-Gezucke im Moombahton-Stil, „You´re no good“ fischt mit netter Melodie, aber fehlendem Kick in seichten Gewässern und „Sweat“ ist überhaupt nur ein Versuchsballon, dessen wild umher hüpfende Beats maximal als Ersatzteillager dienen. Vielleicht will sich ja Beyoncé daran versuchen? Eine kleine Sensation offenbaren Major Lazer stattdessen mit „Bubble butt“, das nicht nur den nicht jugendfreien Weg von „What u like“ einschlägt („The bootie so smooth, can believe is not butter / I go in for under, she wetter than a surfer“) und sich somit als Titelmelodie für einige Pornoproduktionen empfiehlt, sondern neben Tyga & Mystic auch Schnulzenpapst Bruno Mars verpflichten konnte, der nun offiziell als Liebhaber des in Schwingung befindlichen, weiblichen Hinterteils enttarnt ist. Major Lazer macht´s möglich!

Anspieltipps:

  • Scare Me
  • Mashup The Dance
  • Watch Out For This
  • Reach For The Stars

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