Karl Hyde - Edgeland - Cover
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Karl Hyde Edgeland


  • Label: Universal Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Underworld-Frontmann Karl Hyde gibt sich auf seinem Debüt dem Atmo-Pop hin.

Vor ein paar Monaten hätte man wohl noch nicht den Vergleich zwischen Depeche Mode und Karl Hydes Solo-Debüt „Edgeland“ gezogen. Da sich die Herren von Depeche Mode allerdings ebenfalls der sphärischen Pop-Musik für Großstädte hingegeben haben, wird dieser Vergleich einigen einleuchten. Hyde schafft jedoch von vornherein ein stimmigeres Bild. Hier hört man wirklich die Art von elektronischem Pop, die man spätestens seit dem Millennium mit Großstadt-Flair verbindet.

Abgesehen von dagegen höchst unhandlichen und wenig modern klingenden Titeln wie „The Night Slips Us Smiling Underneath It's Dress“, schafft „Edgeland“ stets eine wohlige, verträumte Atmosphäre. Rhythmen sind so natürlich wie Atmung und Herzschlag und sorgen in Verbindung mit vorsichtig eingesetzten Klängen für echte Ton-Panoramen. Dabei trägt die Stimme des oft wirr dreinschauenden Künstlers die Lieder und scheint sogar die einzelnen Töne miteinander zu verknüpfen, was besonders im romantischen „Angel Café“, sowie dem meditativ langsamen „Cut Clouds“ hervorragend funktioniert.

Aber auch wenn die Lieder aufgebläht werden, klingen sie noch immer nach genau der Art von moderner Pop-Musik, die der Auftakt versprochen hat. Vereinzelt wird man sich in einer Mischung aus The Postal Service und Thom Yorkes Solo-Album „The Eraser“ wähnen. Bevor die Erwartungen aufgrund dieser Ausnahmealben allerdings zu hoch ausfallen, muss man auch an den Depeche-Mode-Vergleich denken. Der Ton ist oft anschmiegsamer als bei Yorke, doch auch weniger hektisch und lebendig als bei The Postal Service.

Das Ergebnis darf sich trotzdem als voller Erfolg feiern lassen. Es gibt außer „Your Perfume Was The Best Thing“ keinerlei Schwächen in Hydes Ambiente-Paradies. Stattdessen wird dem Hörer sphärisch harmonischer Pop geboten, der in ein entspanntes, aber nie langweiliges Pop-Reich entführt, welches nicht mit Überraschungen, sondern mit ausgeklügelter, reifer Architektur strahlt. Spätestens die eigentliche Schlusshymne „Shadow Boy“ beweist, dass Karl Hyde selbst über mehr als acht Minuten seine Interpretation von Großstadt-Pop ohne Längen zu gestalten weiß.

Anspieltipps:

  • Shadow Boy
  • Angel Café
  • Cut Clouds

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