The Dope - Hinterlandia - Cover
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The Dope Hinterlandia


  • Label: Devilduck/INDIGO
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Out Of Rosenheim und Into The Black: Der Lärm im melodischen Hinterland!

Wer Drogen mit dem Bandnamen assoziiert, liegt falsch. Nach dem mecklenburgischen Naturschutzgebiet Döpe benannten sich die aus der bayerischen Provinz stammenden The Dope. Rudi Maier (Gitarre, Gesang) und Franz Neugebauer (Schlagzeug) legen nach ihrem Erstling „Into The Woods“ nun „Hinterlandia“ vor, das zum Teil in einer Wohnung auf einem ehemaligen Kasernengelände in Mietraching im Landkreis Rosenheim aufgenommen wurde. Der Albumtitel scheint mit dem Klischee der Hinterwäldler zu spielen und selbst ihr äußeres Erscheinungsbild lässt partiell Provinzielles vermuten. Das Coverartwork scheint Kinderbuchmotive aus der Vorkriegszeit aufzugreifen und vermittelt einen Hang zum Skurrilen.

Nach allen Vermutungen und Assoziationen rotiert schließlich die CD im Player und startet mit „Blizzard The Kid“, dem ersten Song, der Lärm und Spieltrieb, Laut und Leise, Melodie und Fantasie zusammenbringt. Doch das ist nur ein Vorbote für nachfolgende Stürme und Exzesse. Da schnarren und schwingen die Saiten wie Stacheldraht, twangen in einem schief zusammengebauten Klangschrein. DIY-Punk trifft Anti-Folk? So einfach machen es uns The Dope nicht. Die geschredderten Stromgitarren verheddern sich in brachialem Schlagzeug-Geprügel oder hell inszenierte Melodie- und Gesangslinien werden in Lärm ertränkt, wie es z.B. auf „Entirely Zipped“ der Fall ist. Hin und wieder Akustikgitarren, die in elektronischem Fiepsen und E-Gitarrenlärm versenkt werden. Der ungeübte Zuhörer hängt nach einem Durchlauf in den Seilen, an denen The Dope fest zurren oder ganz überraschend loslassen.

Und woher kommen plötzlich die „Strawberry Fields“ der Beatles? Zwischen Wahn- und Alptraum läuft das bayerische „Hinterlandia“ von den 60ern in den geplatzten amerikanischen Traum der 90er, dem Dinosaur Jr., Built To Spill und Modest Mouse den Spiegel vorhielten, dessen zerbrochene Scherben nun The Dope zusammenkehren. Auf „Monstertrucks“ schichten sie Gitarrenlärm und Gesangsharmonien, bauen einen aberwitzigen Turm zu Babel, der natürlich unter Getöse einstürzt.

Nach und nach wird die Erkenntnis gewonnen, dass der The Dope-Wahnsinn zwar Methode hat, dennoch gewollt die Kontrolle verliert, um die Melodie hinter Steinen und Scherben hervorzukehren. Auch wenn das Ganze hin und wieder groteske, gar zappaeske Züge („Mother’s Boy Toyed With An Idea“) annimmt, lassen sie die Grundstruktur des Songs nie ganz los. So wie am Ende „Hollywood,...“ und „...Mietraching“ spielerisch, Fake-Folk mäßig und Stille heuchelnd zusammenwachsen, schließen sich die Lücken, die sich anfangs auftun, mit jedem wiederholten Hören. Ein Album, das dir Geröll vor die Füße wirft, dir die Rippen prellt und dich schließlich umarmt, bis dir beinahe die Luft wegbleibt. Das glaubt dir keiner, dass die aus Bayern sind. Out Of Rosenheim und Into The Black!

Anspieltipps:

  • Entirely Zipped
  • Strawberry Fields
  • Monstertrucks
  • Hollywood,…

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