Scout Niblett - It´s Up To Emma - Cover
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Scout Niblett It´s Up To Emma


  • Label: Drag City/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Kuss, ein Gewehr und andere Fragen: Scout Niblett formuliert ihre Kunst weiter aus!

Der Kuss scheint es Scout Niblett angetan zu haben. So war auf ihrem großartigen Album „This Fool Can Die Now“ (2007) der Titel „Kiss“ zu finden, ein betörendes gleichsam verstörendes Duett mit Bonnie ‚Prince‘ Billy, und nun wählte sie als Coverartwork-Motiv ihres neuen Werks „It’s Up To Emma“ ein küssendes Paar. Eine Art Selbstaufforderung deutet sie mit dem Albumtitel an, denn ihr bürgerlicher Vorname ist Emma Louise, so dass sie sich selbst zu ermutigen scheint: Es liegt ganz alleine an dir Emma, was du aus deinem Leben, deinem nächsten Album machst. Beides hat sie aus der Sicht des Betrachters vorzüglich gemeistert und mit den neun neuen Songs formuliert Scout Niblett ihre Kunst weiter aus.

Zu Beginn nimmt sie das Gewehr in Anschlag. „Gun“ ist ein prototypscher Niblett-Song, der mit Stromgitarrenwucht, verzögertem Schlagzeugpoltern, der immer ein wenig brüchig wirkenden, dennoch immens ausdrucksstarken Stimme und einer inbrünstigen Laut-Leise-Dynamik dem Hörer quasi in den Rücken fällt. Bei derartiger Intensität stockt einem der Atem, die auch auf den mit geheimnisvollen Streicherarrangements versehenen „Can’t Fool Me Now“ und „My Man“ geradezu greifbar wird.

Die skelettierte Dynamik des Rock’n’Roll wird auf „Second Chance Dreams“ demonstriert. „Woman And Man“ bringt das Drama der Geschlechter auf den Punkt: „What happens right there / Between a woman and a man?“ fragt sie wiederholt, die Antwort liefern die spannungsgeladene Wucht des Songs, die Stille und der Lärm. In sich selbst versunken mäandert „All Night Long“, um - was auch sonst - wieder auszubrechen: Die Gitarrensaiten dehnen, auf das Drumkit einprügeln und die Stimme erheben als Drohung, und schließlich zurückkriechen ins Schneckenhaus der Stille, der Poesie, die immer wiederkehrt als die schlichte Schönheit eines Scout Niblett Songs, eine Schönheit, die auch „No Scrubs“ auszeichnet.

Die finalen Fragen „Could This Possibly Be?” und „What Can I Do?” finden keine Antwort, verknüpfen jedoch abermals Wucht, Poesie, skelettierten Rock’n’Roll und die Liebe, die in diesem Album steckt. Gerade das sechseinhalbminütige Schlussstück hat jene herzzerreißende Liebe und den ganzen Schmerz eingefangen, die in jenem anfangs erwähnten „Kiss“ stecken. Ein sterbensschöner Abschied!

Anspieltipps:

  • Gun
  • Can’t Fool Me Now
  • My Man
  • All Night Long
  • What Can I Do?

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