Miss Kittin - Calling From The Stars - Cover
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Miss Kittin Calling From The Stars


  • Label: Wsphere/INDIGO
  • Laufzeit: 106 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Fest für jeden, der sich an synthetischen Melodien reibt.

Caroline Hervé alias Miss Kittin bestreitet seit fast zwanzig Jahren ihre DJ-Sets und ist nicht nur damit eine der Größen im breitgefächerten Electro-Bereich. Auch als Sängerin, Songwriterin und Produzentin ist sie in weiten Teilen der Welt hoch geschätzt und für ihren Beitrag zum Felix Da Housecat-Hit „Silver Screen (Shower Scene)“ gefeiert. Nach solchen Kollaborationen, die auch mit Langzeitpartner The Hacker stattfanden, wagte Miss Kittin 2004 in Form ihres Debüts „I Com“ den konsequenten Schritt zur Solokünstlerin. Ob darauf oder bei Alben wie „BatBox“ (2008) sowie der Comeback-Scheibe „Two“ (2009) mit The Hacker: Caroline Hervé bedient die elektronische Musik in ihrer Fülle und bringt jahrelanges Feintuning nun auf dem Doppelalbum „Calling From The Stars“ unter.

Auch wenn eine grobe Unterteilung der zwei Scheiben in Club-orientiertes und Ambient der alten Warp Records-Schule (besonders die der „Artificial Intelligence“ Compilations) vorgenommen werden kann, ist doch das gesammelte Material als fließend zu betrachten. Fast vollständig entstammt es Kittins Schreibkünsten und pulsiert dank ihrer Fähigkeiten als Produzentin. Kühl und erhaben thront ihre lieblich wie abweisend interpretierbare Stimme über den pumpenden Beats und wohl akzentuierten Klangabstraktionen der Synthesizer. Das Tempo bleibt vorerst höchst tanzbar und zielstrebig, drängt im Falle von „Bassline“ mit kernigen Percussions und eben, der Titel nimmt es vorweg, belebenden Bassläufen markant an die Oberfläche stilvoller Electro-Passion. Schon auf der ersten CD deutet der Titeltrack die atmosphärische Komponente an, die von der Künstlerin selbst als „reiner Ausdruck von Gefühlen, Raum und Klangstrukturen“ beschrieben wird. Doch bis es soweit ist, dominieren die energischen Sequencer-Sounds von „Maneki Neko“ samt zweisprachiger Vocal-Ausflüge, lebt „Tears Like Kisses“ tief grabend in verwinkelten Kellern mit industrieller Klangerweiterung und ist das R.E.M.-Cover „Everybody Hurts“ eine durchschnittliche Sache, doch die kurze persönliche Begegnung mit Michael Stipe so inspirierend, dass diese Interpretation als Huldigung durchaus ihre Berechtigung hat.

Auf CD 2 regieren schwebend kühle Klangkonstruktionen, denen wenig Tanzbarkeit attestiert werden kann, jedoch eine weite Ausstrahlung technische Raffinessen vermittelt. Sie komplettiert ein gutes Album, bei dem man Miss Kittin langjährige Erfahrung und Zusammenarbeit mit wichtigen Produzenten anhört und eben sehr persönlich zwischen der gradlinig beatorientierten Pracht zur vermeintlichen Afterhour und herausgeputzten Synthesizer-Welten wandelt. Ein Fest, für jeden, der sich an synthetischen Melodien reibt und die Feinheiten auch im funktionalen Bereich der elektronischen Musik sucht.

Anspieltipps:

  • Flash Forward
  • Bassline
  • Maneki Neko
  • Eleven
  • Tamarin Bay

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