The Stooges - Ready To Die - Cover
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The Stooges Ready To Die


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ready To Die” ist ein mehr als solides Spätwerk, dem allerdings die letzte Portion Wahnsinn fehlt, um in einer Reihe mit den legendären Stooges-Alben zu stehen.

Am 25. Februar tauchte ein Video im Internet auf. Zu sehen war Iggy Pop, verkleidet als Vogelscheuche und auf einer Wiese positioniert. Im Hintergrund: Ein neuer Song mit dem Text „I got a job but it don't pay shit“ - die erste offizielle Hörprobe des neuen Albums „Ready To Die“. Dazu wurde in einem weiteren Clip ein Interview-Ausschnitt mitgeliefert. Die Message: Iggy will mit seinen alten Kumpels von den Stooges auch weiterhin „fucking records“ machen, man sei ja hier schließlich nicht bei den „fucking Smashing Pumpkins“. Mal ehrlich: Wer hätte das gedacht? Nach dem eher durchwachsenen Comeback-Album „The Weirdness“ (2007) und dem Tod von Gitarrist Ron Asheton im Januar 2009, schien neues Material der sagenumwobenen Stooges aus Detroit Rock City zunächst in weite Ferne gerückt zu sein. Unter dem Namen Iggy and the Stooges ging es live aber dennoch weiter. „Neu“ an der Gitarre: James Williamson, der schon 1973 auf „Raw Power“ die Saiten anschlug.

Genau genommen bildet „Ready To Die“ das erste Album von Iggy and the Stooges seit 40 Jahren. Sieht man die Sache mit dem Bandnamen etwas lockerer, dann ist es das erste Album seit sechs Jahren, schließlich waren vier Fünftel von Iggy and the Stooges auch bei den Stooges vertreten (Bassist Mike Watt und Saxofonist Steve Mackay mit eingerechnet). Wie auch immer: Messen lassen muss sich das neue Werk sowieso nur an den drei Veröffentlichungen aus den späten 60ern und frühen 70ern sowie an den aktuellen Konzerten der Band. Immerhin sind Iggy und seine Mannschaft auch heute noch eine der impulsivsten Rockbands überhaupt, die zahlreiche (deutlich jüngere) Genre-Kollegen mit einem müden Lächeln an die Wand spielen können.

Das Problem der fünf Männer liegt woanders: Sie schaffen es nicht mehr, die scheinbar grenzenlose Energie ihrer Shows auf Tonbänder zu bannen. Wer einmal „Fun House“ und „Raw Power“ gehört hat oder sich von Iggy Pop live aus zwei Metern Entfernung „I wanna be your dog“ ins Gesicht hat brüllen lassen, den wird „Ready To Die“ nicht umhauen. Zu wenig von der oft beschworenen rohen Power steckt in den Knochen der Songs wie „Sex & Money“ und „Beat That Guy“. Live vielleicht, aber nicht auf Platte. Zwar klingen Iggy and the Stooges auch 2013 noch unangepasst und so, als wäre es ihnen egal, ob ihre Mucke Hitpotential hat oder nicht, doch fehlt das letzte Stück verbissene Wut, um „Ready To Die“ zu einem ebenbürtigen Stooges-Output zu machen. „Burn“ und vor allem „Job“, die beiden besten Titel des Albums, können in ihrer Rotzigkeit sicherlich mit dem einen oder andern Klassiker mithalten, „Unfriendly World“ und „The Departed“ sind dagegen aber so weit von „1970“ entfernt wie nur irgend möglich.

Was bleibt, ist ein Longplayer, über dessen Existenz man sich freuen sollte, der aber nicht im erwarteten Maße besser ist als die von vielen kritisierte „The Weirdness“-Scheibe. Für sich alleine stehend ist „Ready To Die“ auch aufgrund von Songs wie „Gun“ („If I had a fucking gun, I could shoot at everyone“), „DD’s“ (das Thema dürfte klar sein) und „Dirty Deal“ (wo ist die Tanzfläche?) ein mehr als solides Spätwerk geworden. Selbst der Titeltrack entpuppt sich mit seinen ungewöhnlich deutlichen Hardrock-Anleihen als eine bemerkenswerte Nummer, die in dieser Form bisher nur selten von den Stooges zu hören war. Leider ist das Ganze aber nicht so explosiv, wie es das Cover vermuten lässt - immerhin ist Sympathiebolzen Iggy Pop darauf mit einem Dynamitgürtel zu sehen. Richtig gefährlich wird’s vermutlich erst wieder auf den Konzertbühnen, was für die Fans im Endeffekt aber nicht der schlechteste Kompromiss ist.

Anspieltipps:

  • Burn
  • Job
  • Dirty Deal
  • Ready To Die

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