Seasick Steve - Hubcap Music - Cover
Große Ansicht

Seasick Steve Hubcap Music


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Kult um den kauzigen, in Norwegen lebenden Bluesmusiker geht in die nächste Runde.

Im zarten Alter von 72 Jahren hat Steve Wold alias Seasick Steve einen Vertrag bei der weltgrößten Plattenfirma, Universal Music, unterschrieben und mit „Hubcap Music“ sein sechstes Studioalbum abgeliefert, auf dem wiederum John Paul Jones (Led Zeppelin) am Bass sowie der ehemalige The-Black-Crowes-Gitarrist Luther Dickinson zu hören sind und ein gewisser Jack White (The Raconteurs, The White Stripes, The Dead Weather) ein Gitarrensolo beigesteuert hat.

Der Kult um den kauzigen Bluesmusiker aus Oakland, Kalifornien, der in Norwegen lebt und (warum auch immer) ausgerechnet in Großbritannien die höchsten Verkaufszahlen vorweisen kann, geht also in die nächste Runde. Und es sieht so aus, als könnte sich der Hype um den Wahl-Norweger nochmals steigern. Denn aus dem puristischen Delta Blues seiner frühen Alben, wird auf „Hubcap Music“ stellenweise ein kleiner Bluesrockorkan.

Wer auf der Rückseite eines Plattencovers eine heruntergekommene John-Deere-Mütze trägt, darf seinen neuen Longplayer selbstverständlich mit dem kernigen Knattern eines Traktorenmotors beginnen und beenden („Keep rollin’, Steve“), und danach einen treibenden Blues- und Boogie-Rocker wie „Down on the farm“ im Stil von ZZ Top vom Stapel lassen, der klingt, als sei hier ein 30-Jähriger am Werk und nicht ein Latzhose tragender 72-Jähriger mit grauem Rauschebart. Ja, es ist wirklich erstaunlich, woher Seasick Steve seine Energie nimmt, vor allem wenn man sich die Outputs von Musikerkollegen in einem ähnlichen Alter anhört.

Zugleich ist es bemerkenswert, wie sehr sich der Klang dieses Albums von den vorherigen unterscheidet. Fast hat es den Anschein, als hätte Universal Music für die Aufnahmen in den Sputnik Sound Studios in Nashville richtig was springen lassen. Denn hier agiert eine Band mit einem druckvollen Sound, in den sich zum Beispiel dicke Orgel- und Bläserklänge eingeschlichen haben („Coast is clear”) oder rhythmische Wirbelwinde wie „Keep on keepin‘ on“ losgelassen werden. Dabei ist besonders die erste Albumhälfte ein echtes Feuerwerk (allein das schräge Gitarrensolo Jack Whites‘ ist ein Genuss), in der mit dem abgespeckten Song „Over you” und der Country-Ballade „Purple shadows“ nur zwei akustische Stücke vorhanden sind.

Im zweiten Teil der Platte verliert sich dann ein bisschen die Genialität, wobei auch hier immer noch so viel künstlerische Strahlkraft vorhanden ist, dass „Hubcap Music“ mit gutem Gewissen als ein modernes Blues-Album durchgewunken werden kann, das sich sehr deutlich über dem Durchschnitt befindet und sich auch in dem für Seasick-Steve-Verhältnisse neuartigen „Mainstream Sound“ bewährt.

Anspieltipps:

  • The way I do
  • Freedom road
  • Down on the farm
  • Self sufficient man
  • Keep on keepin‘ on

Neue Kritiken im Genre „Blues“
Diskutiere über „Seasick Steve“
comments powered by Disqus