Gabrielle Aplin - English Rain - Cover
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Gabrielle Aplin English Rain


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Vom YouTube-Star zum Newcomer-Hit - Gabrielle Aplin legt ihr lang ersehntes Debüt vor.

Sie scheinen eine Generation neuer Musik begründen zu wollen: Junge Musiker, die sich auf der Videoplattform YouTube erste Fans erspielen, zunächst mit Covern großer Hits, später mit dem, was aus ihrer eigenen Feder fließt. Und sie haben damit Erfolg! Ihre Musik kommt wieder von Herzen, ist mühevoll selbst arrangiert, schlicht und ohne unnötigen Schnickschnack. Die Fans lernen sie kennen, vom ersten Moment an, entdecken sie noch vor den großen Plattenbossen und können ihnen dadurch ohne Talentwettbewerbe, anstrengende Jury und Werbeunterbrechungen dabei zusehen, wie sich Rohdiamanten langsam schleifen, wie kleine Raupen zu wundervollen Schmetterlingen werden.

Die 20-jährige Gabrielle Aplin ist eine von ihnen. Neben ihren Coversongs begann sie schon früh, an eigenem Material zu arbeiten, spielte dabei alle Instrumente ein und bewies Natürlichkeit, Charme und Herz. Die drei EPs „Acoustic“ (09/2010), „Never Fade“ (05/2011) und „Home“ (01/2012) vertrieb sie nicht nur eigenständig, sondern erreichte damit sogar erste Charts-Erfolge in Großbritannien, Amerika und Australien. Ihr Cover von Coldplays „Fix You“ bei BBC Introducing und Frankie Goes To Hollywoods „Power Of Love“ im Werbespot der Firma John Lewis verhalfen ihr zu endgültiger Medienpräsenz in ihrer Heimat.

Nun ist auch endlich der erste Longplayer da. „English Rain“ heißt das kleine Goldstück und erscheint passend zum tristen Wetter Ende Mai. Ihre schlichten, gefühlvollen Melodien schaffen es allerdings glücklicherweise vom ersten Ton an, die Sonne zumindest im heimischen Wohnzimmer aufgehen zu lassen. Die Titel bestechen mit Schlichtheit. Mal arrangiert fürs Klavier, mal für die Gitarre, mit nur ein wenig Schlagzeug-Begleitung, und damit ohne großen Schnickschnack, legt sich der Fokus auf die Schönheit des vermeintlich Einfachen. Gabrielles Stimme steht entsprechend ganz im Vordergrund, entführt auf eine Reise in ihr Innerstes, in die Welt ihrer Emotionen, verzaubert und berührt.

Single und Opener „Panic Cord“ eröffnet das Album zunächst mit viel Geschwindigkeit und guter Laune. Die federleichte und beschwingte Instrumentierung treibt dabei ebenso voran, wie Gabrielles Lyrics, die sofort ins Ohr gehen. „Keep On Walking” hält das Tempo und hält vor allem in den Backing Vocals, aber auch in Details der Instrumentierung den gewissen Überraschungseffekt parat. Die Mid-Tempo-Ballade „Please Don't Say You Love Me“ beginnt schließlich damit, die Geschwindigkeit ein wenig herunter zu schrauben. Allein durch Gitarre und Beat verschwindet man zwar nicht ganz im Feuerzeug schwenkenden Liebestrauma, doch die ohrwurmlastigen Vocals sorgen für die nötige Portion Ruhe, Gefühl und eine Prise Verzweiflung. Mit „How Do You Feel Today“ ist man dann allerdings endgültig in der Welt schlichter Balladen angelangt. Schlichte Streicher-Effekte bringen die instrumentale Untermalung genau auf den Punkt und unterstreichen Gabrielles gefühlvollen Gesang ideal. Wer jetzt noch nicht ganz von der zarten, samtig warmen Stimme der Sängerin eingenommen ist, ist nicht ganz bei der Sache.

„Home“ und „Salvation“ gliedern sich in die Riege der Balladen ein. Vor allem der letzte der beiden Songs sorgt für absolute Gänsehautmomente und eine gehörige Portion positive Wehmut. „Human“ dreht die Geschwindigkeit daraufhin nochmals auf und begeistert mit Mehrstimmigkeit und Rhythmus, bevor das Album verträumt mit „Start of Time“ verklingt. Der iTunes-Bonustrack „Take Me Away“ legt schließlich nochmal eine zarte Gitarren-Ballade oben drauf, die Gabrielles Händchen für das richtige Maß an Gefühl beweist.

„English Rain“ ist definitiv ein sicheres Debüt für die junge Engländerin. Die Songzusammenstellung spielt ganz und gar die Stärken der Songwriterin aus - abwechslungsreiche, starke und vor allem von Herzen kommende Gefühle und der Fokus auf ihre einzigartige Stimme. Und das alles aus eigener Feder! Große Überraschungen bleiben vor allem für diejenigen, die ihren Werdegang bereits beobachtet haben, zwar aus, doch das ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Ihr Debüt ist wieder ein Schritt hin zu handgemachter Musik, hin zu dem, was Musik eigentlich ausmachen sollte: Musik, die von Herzen kommt, die aus der Seele spricht und die den Hörer berührt.

Anspieltipps:

  • Panic Cord
  • Salvation
  • Human
  • November

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