Daft Punk - Random Access Memories - Cover
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Daft Punk Random Access Memories


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 75 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„The most hyped album of the year” ist da. Und es ist sehr gut.

Die Roboter menscheln. Wie als Einlösung ihres letzten Albumtitels vor acht Jahren, dominieren statt House-Beats nun Disco, Funk, Soul und noch mal Disco, Funk und Soul auf dem neuen Daft Punk-Album „Random Access Memories“.

Ein weiser Schachzug: Der aktuellen Retromanie verpflichtet, unterfüttern elektronische Arrangements nur einen Disco-Sound, der derart bass- und schlagzeugdominiert ist, dass er mit House und Electro kaum noch etwas, umso mehr aber mit Funk, Soul und Disco zu tun hat. Denn - wer vier Alben in 16 Jahren veröffentlicht, braucht sich da nicht wundern - die Entwicklung in elektronischer Musik beginnt an Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter vorbeizulaufen. Expressis verbis untermauern die Einschätzungen eines der Schwergewichte im neuen Dubstep-Electro-House-Reich, Tausendsassa-Producer und DJ Diplo, diese These, wenn er pünktlich kurz vor Album-VÖ twitternd urteilt, dass er nicht glaube, junge Menschen würden das neue Daft Punk-Album verstehen.

Da ist vielleicht was dran. Der Electro-Sound von Skrillex, Diplo und Grimes ist, wie bei jeder neuen Generation, ein Abgrenzungsversuch zu vorher etabliertem. Nähert man sich also der Vorstellung eines neuen Daft Punk-Albums im Jahre 2013 mal ganz ohne Hype, wird schnell gewahr, dass hier keine Innovationsschübe wie seinerzeit 1997 mit „Homework“ und „Around The World“ zu erwarten sind.

Aber ein derart rückwärtsgewandtes Future-Funk-Tanzalbum, ein solch leidenschaftliches Eintauchen in den Disco-Sound der Siebziger, in eine vergangene Vorstellung von Zukunft, ist doch schon eine Überraschung. Back to the future in Reinform. „Get Lucky“, der beste Song des Albums (auch wenn er mächtig overplayed wirkt, wie so viele große Popsongs, man denke nur an Gnarls Barkley's „Crazy“) oder auch „Lose Yourself To Dance“ (die beiden Songs mit Pharrell Williams) und der Opener setzen den Ton, den Standard für eine tanz- und bewegungssüchtige Reise auf einen fernen Funk-Planeten der Vergangenheit - oder so ähnlich. Natürlich sind fast alle Gesangs-Parts Vocoder-verzerrt, Julian Casablancas hört man nur mit viel Mühe auf „Instant Crush“ heraus, aber natürlich ist das alles super durchdacht und strategisch ausgeklügelt. Zykloid reichen sich die aufgedrehten Synthies auf Opener und Closer die Hände, sind der Zweite und vorletzte Song und der mittlere die ruhigsten, sind die unwiderstehlichsten Tanzsongs mit Pharrell Williams um diese Mitte justiert; es gibt Grafiken und Diagramme online, die die Tempi-Stufen zeigen und die künstlerische Kongenialität von Daft Punk preisen. Es gibt so viel da draußen zu „Random Access Memories“, das es befremdlich macht.

Der Preis für die popkulturelle Wichtigkeit ist hoch. Umso schöner zu sehen, dass man nicht zwangsläufig den Weg eines Artist-gets-fame-and-goes-dumb gehen, und sein illegal gehaltenes Haustieräffchen an Münchener Flughafen beschlagnahmen lassen muss, wie derzeit Kollege Bieber. Mit Roboterhelmen und Geheimniskrämerei viele, viele Menschen zu beeinflussen, mag vielleicht krude Internet-Hypes kreieren, aber es ermöglicht zumindest ein halbwegs geschütztes Privatleben. Strategisch könnte also Diplo nicht nur in diesem Punkt noch etwas von den alten Hasen Daft Punk lernen.

Anspieltipps:

  • Get Lucky
  • Lose Yourself To Dance
  • Giorgio By Moroder
  • Give Life Back To Music
  • Contact

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