Megadeth - Super Collider - Cover
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Megadeth Super Collider


  • Label: Tradecraft Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Megadave und seine Mannen klangen selten so weichgespült.

„I just listened to the title track of ‘Supercollider’. Boy, thats fucking horrible.“, twitterte Oderus Urungus von den Metal-Exzentrikern Gwar, als er Ende April 2013 der ersten Single des Albums lauschte. Natürlich sind Kollegen immer sehr emotional oder sogar engstirnig, wenn es um den Ersteindruck eines neuen Songs geht. Besonders dann, wenn es sich um einen Song der (nunmehr ehemaligen?) Thrash-Recken Megadeth handelt. Und dass sich Megadave Zeit seines Lebens mit kontroversen Äußerungen, zuletzt gegen die Schwulen-Ehe oder Präsident Obama, grundsätzlich wenig Freunde gemacht hat, ist auch kein Geheimnis mehr. Nimmt man aber das musikalische Schaffen der Herren aus Los Angeles und sieht jenes losgelöst vom tomatenblonden Bandchef, wird eines jedoch klar: Wer nach Alben wie „Risk“ (1999) oder „The World Needs A Hero“ (2001) noch die Megadeth erwartet, die einst Thrash-Monstrositäten wie „Peace Sells... But Who´s Buying?“ (1986) oder „Rust in Peace“ (1990) aus dem Ärmel geschüttelt haben, ist eh nicht mehr ganz dicht und hat die Zeichen der Zeit bzw. die Zeichen von Bandkopf Dave Mustaine einfach nicht erkannt. Mit „Endgame“ (2009) oder zumindest stellenweise auch „Th1rt3en“ (2011) konnte man den Fans, denen das Material eventuell zu zahm wurde, zumindest astreine Kompromisse anbieten.

Anno 2013 lassen Dave und seine Kumpane das musikalische Roulette wieder rotieren. Die Fans setzen auf Rot, die Band bugsiert die Kugel auf Schwarz. Will heißen: Die neu entdeckte Härte von „Endgame“ lässt sich mit der Lupe suchen und die vereinzelten Highspeed-Passagen von „Th1rt3en“ werden so stark reduziert, dass „Super Collider“ wieder einmal kein reinrassiger Thrasher geworden ist. Anstatt ihren Shit abzuliefern, sind Thrash-Salven höchstens Spurenelemente mit Alibi-Funktion. Lediglich Tracks wie „Built For War“, „Don't Turn Your Back...“ oder das mit großartigen Soli ausgestatte Schlusslicht „Cold Sweat“ lassen vereinzelt daran erinnern, dass Megdath mal Pioniere des Genres gewesen sind. „Super Collider“ geht eindeutig in die 90er-Jahre-Phase der Band, „Countdown To Extinction“ (1992) oder „Youthanasia“ (1994) kommen einem in den Sinn, sind im direkten Vergleich aber inspirierter und als ein Produkt ihrer Zeit auch relevanter. Knapp zwei Dekaden später bleibt der Impact oder die Frische aus. Dadurch wird der 14. Streich der US-Amerikaner zwar nicht per se schlecht, bleibt aber größtenteils blass und ist gemessen an den wichtigen Werken der Band allenfalls ein nicht satt machender Snack. Megadeth spielen modernen Metal mit großen Melodien. „Kingmaker“, „Dance In The Rain“ (Violinen!), „The Blackest Crow“ (Banjo!) oder das opulente „Beginning Of Sorrow“ pendeln zwischen straightem Heavy Metal, Alternativ-Klängen sowie frechem Hardrock hin und her und können ohne Frage zum massenkompatibelsten Material gezählt werden, welches die Gruppe seit langem geschrieben hat. Ein Schelm, wer an dieser Stelle an Universal denkt.

Und was ist nun am provokanten Tweet von Oderus Urungus dran? Nun, den Titeltrack kann man genau wie das relativ weit hinten platzierte „Forget To Remember“ getrost skippen. Wer Bon Jovi hören will, soll dies verdammt nochmal tun und spart sich Ausflüge Megadeths in eine musikalische Ecke, die sie vor Jahrzehnten noch verschmähten und in aller Öffentlichkeit niedermachten. Da helfen auch keine harten Riffs, die immer mal wieder eingestreut werden, damit die Fans sich daran erinnern können, welche Band sie in Wirklichkeit hören. „Super Collider“ ist somit ein Gericht, das weder im Fisch- noch Fleischmenü zu finden ist. Liebgewonnene Trademarks der Band sind reine Makulatur über die man sich zwar in Ansätzen freuen kann, die „Super Collider“ aber auch nicht weiter bringen können. Der größtenteils modern-lockere Heavy Metal ist dagegen zwar astrein gespielt und von Meister Mustaine auch gewohnt stark eingesungen, doch dies alleine reicht einfach nicht aus, wenn man eine Band von Weltrang ist. Nur selten bekommt der Hörer einen Wiedererkennungswert, den man von einer Legende wie Megadeth ohne Frage zu erwarten hat. All das macht „Super Collider“ zum schwächsten, unspektakulärsten und schlichtweg langweiligsten Longplayer dieser Gruppe seit „Risk“, welcher trotz all der guten Ansätze in der jüngeren Vergangenheit die Frage aufstellt, ob diese Band überhaupt noch relevant ist.

Anspieltipps:

  • Built For War
  • Don't Turn Your Back...
  • Cold Sweat

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