Rantanplan - Pauli - Cover
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Rantanplan Pauli


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein räudiger Straßenköter namens „Rantanplan“ heult laut auf den Straßen Hamburgs. Mit fröhlich wedelndem Schwanz.

„Hey Deutschland du Opfer gib Handy“: Lakonischer als in dieser Zeile aus dem gleichnamigen Lied lässt sich die (bedenkliche!) Lage der Nation kaum zusammenfassen! Sprachverlust und Medienwahn thematisieren Rantanplan hier griffig in einem einzigen Satz, den trotz mäßig ausgeprägten Textverständnisses selbst der tranige Nachwuchs verstehen dürfte, dem diese Worte gelten. So zielgruppenorientiert zeigt sich die Gruppe, die sich nach einem Hund benannt hat, der „dümmer als sein Schatten ist“, auf „Pauli“ nicht immer.

Mit Pauken und Trompeten tragen die Jungs vom Kiez durchaus anspruchsvolle Gesellschaftskritik vor. Häufig in forsche Ska-Rhythmen gewandet, kommen dabei Slogans heraus, die sich ausgezeichnet auf den T-Shirts jener Menschen machen würden, die den Kampf gegen die Verdummung der Republik noch nicht aufgegeben haben. „Du bist weiß, du bist reich, dir geht es schlecht: Das ist Luxusjammern“, ist einer dieser Sätze, die hängenbleiben - nicht nur im Kopf der angesprochenen Wohlstandsmelancholiker. Ein Umstand, der für die Melodien auf diesem Werk indes nicht immer gilt: Da greift doch zu häufig das „Hauptsache laut“- Prinzip des 80er-Jahre Punks. So groß- wie einzigartig sind Rantanplan immer dann, wenn die Bläser die alleinige Führung übernehmen. Wie im erstaunlich sanft schunkelnden „Schwarzer Hund Davidstrasse 35“, oder im Refrain der tongewordenen Liebeserklärung an die alten Kähne im Hamburger Hafen („Schlepper“).

Meist hängt der Himmel grau über dem Kiez, auf dem Rantanplan lustwandeln, um links und rechts prachtvolle Metaphern vom verdreckten Bordstein zu sammeln. „Sieh, die Idioten malen in schwarz und weiß, keine Grautöne dazwischen“, heißt es etwa im eingängigen „Erde zuteer’n“: Dass „grau“ aus der rechten Perspektive betrachtet also eine durchaus schöne Farbe ist, bleibt nicht der einzige Erkenntnisgewinn, den „Pauli“ bringt. „Es gibt nur eine Welt, die keinem gehört / Wir sind nicht daran schuld / Dass ihr sie zerstört“, malen Rantanplan den drohenden Untergang an die Wände der Großstadt. Angesichts der schwungvollen musikalischen Untermalung dieses apokalyptischen Gedankenguts bleibt dann neben vielen klugen Antworten doch noch eine Frage stehen: Können Grautöne eigentlich schillern?

Anspieltipps:

  • Natural Born Altona
  • Erde zuteer’n
  • Schwarzer Hund Davidstrasse 35
  • Schlepper

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