Alice In Chains - The Devil Put Dinosaurs Here - Cover
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Alice In Chains The Devil Put Dinosaurs Here


  • Label: Capitol/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 67 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Album Nummer zwei der wiederbelebten Grunge-Helden.

Ist es tatsächlich schon wieder über drei Jahre her, dass sich Alice In Chains mit „Black Gives Way To Blue“ (09/2009) nach 14 Jahren des kreativen Stillstands in der Öffentlichkeit zurückmeldeten? Um Himmels Willen, ja!

Wir erinnern uns: Die Seattle-Heroen waren nach dem drogenbedingten Tod ihres Sängers Layne Staley im Jahr 2002 praktisch erledigt und alle Fans hatte damit gerechnet, dass ihr Gitarrist und Hauptsongschreiber Jerry Cantrell seine Solokarriere forcieren würde. In der Tat dauerte es drei Jahre, bis sich die Musiker wieder annäherten und zusammen mit einem gewissen William DuVall als Sänger auf vereinzelten Festivals auftraten. Und obwohl die Chemie zwischen der Band und ihrem neuen Mann am Mikrophon ausgesprochen gut war, dauerte es weitere drei Jahre, bis sich Alice In Chains dazu entschlossen, es noch einmal gemeinsam im Studio zu versuchen.

Das Ergebnis war ein starkes, melancholisch-düsteres Album, auf dem sich sämtliche traditionellen Facetten des AIC-Sounds zwischen Grunge, Alternative Rock und Metal widerspiegelten. Bei weltweit mehr als einer Million verkaufter Einheiten fanden daran nicht nur Nostalgiker Gefallen, die das Überleben einer der prägnantesten Gruppe des Seattle-Hypes feierten und denen nun mit dem neuen Album „The Devil Put Dinosaurs Here“ eine Fortsetzung kredenzt wird.

Der Longplayer wurde wie sein Vorgänger zusammen mit Produzent Nick Raskulinecz (u.a. Deftones, Stone Sour, Foo Fighters, Velvet Revolver) in Los Angeles aufgenommen und bleibt dem typischen AIC-Sound durchgehend treu. Das bedeutet, dass auch heuer niemand auf den markanten, gedoppelten Gesang und die zäh im Midtempo mahlenden Riffs verzichten muss, die zusammen eine einzigartige Atmosphäre ergeben. Allerdings haben die Songs im Vergleich zu „Black Gives Way To Blue“ deutlich an Länge und damit auch an Progressivität dazugewonnen. Damit einhergehend sinkt die Hitdichte früherer Alben auf einen ungewöhnlich kleinen Anteil, der sich noch am besten in den ungewöhnlich optimistisch klingenden Songs „Voices“ und „Choke“ manifestiert.

„The Devil Put Dinosaurs Here“ ist ein Album, das der interessierte Konsument in mehreren Hördurchgängen für sich erarbeiten sollte, da die im Schnitt fast sechs Minuten langen Stücke nicht auf Anhieb zünden werden. Dem amerikanischen Rolling Stone Magazine sagte Jerry Cantrell dazu: „We made a unique record that´s completely different from anything we ever did. It encapsulates a period of time, like all records do. You see growth and that the band is moving ahead in new territory that we haven´t been to before, but we haven´t lost our identity.”

Subtrahiert um die üblichen Promo-Übertreibungen, trifft der Gitarrist damit dennoch einigermaßen den Kern. Denn abgesehen von ein paar schwächeren Stücken wie „Pretty done“ oder auch „Lab monkey“ sind Alice In Chains durchaus darum bemüht, ihren Hörern keinen kalten Kaffe aufzutischen. Diese werden mit dem entzückend düsteren Opener „Hollow“ erst einmal an alter Grunge-Wirkungsstätte abgeholt, bevor „Stone“ mehr Dynamik und Groove einbringt und besagtes „Voices“, befeuert von einem akustischen Unterbau, die erste wirklich eingängige Hookline präsentiert. Der Titeltrack ruft danach wieder zu einer schaurigen Geisterstunde auf, während „Low ceiling“ etwas mehr Licht und Geborgenheit spendiert.

In „Phantom limb“ kreuzen sich metallische Gitarren (inkl. 1a Gniedel-Solo!) mit einem angsteinflößenden Bass-Teppich, wogegen es in „Breath on a window“ und „Scalpel“ zur Abwechslung hymnisch wird, bevor der Hörer zum großen Finale mit „Choke“ in eine friedliche und gelöste Atmosphäre entlassen wird. Danach darf sich ebenjener sicher sein, mit „The Devil Put Dinosaurs Here“ einen anfangs harten Brocken geknackt zu haben, der Alice In Chains dann doch nicht zu weit auf dünne Eis hinausführt und deshalb fast alles richtig macht.

Anspieltipps:

  • Stone
  • Choke
  • Hollow
  • Low ceiling
  • Phantom limb
  • Breath on a window

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