Little Boots - Nocturnes - Cover
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Little Boots Nocturnes


  • Label: On Repeat Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Vier Jahre nach „Hands“ haben scheinbar nicht nur Little Boots' Anhänger vergessen, was ihre Musik ausgemacht hat.

Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, dann sagt man besser gar nichts. Diese Höflichkeitsregel hat so manches Blut- oder zumindest Cocktailbad verhindert. Und es ist nun auch nicht so, als hätte Little Boots nach all der Zeit ihr Gespür für Soloarbeit verloren. Trotzdem hinterlässt ihr neues Album „Nocturnes“ nicht unbedingt den Eindruck, dass die Rückkehr auf diese Bühne die klügste Entscheidung war.

Hands“ war 2009 eine angenehme Überraschung aus dem Nichts. Eingängig sphärischer Electro-Pop für die Clubs und Massen gleichermaßen, tönte aus Boxen. Für ein Heureka hat es nicht gereicht, doch ein Ausrufezeichen plus Platin sind mehr, als man sich aus dem Stehgreif erhoffen konnte. Auch auf „Nocturnes“ gibt es immer noch die Momente, die an Little Boots´ überzeugendes Debüt erinnern. Um genau zu sein, ahnt man vom Qualitätsverlust zu Beginn noch gar nichts. „Motorway“ und „Confusion“ eröffnen „Nocturnes“ mit genau der Mischung aus Entspanntheit und Tanzbarkeit, die schon mal funktioniert hat.

Danach eröffnet sich aber ein Reigen merkwürdiger 90er-Pop-Experimente, die sich vor liebloser Wiederholung und merkwürdigen Sounds nur so unterbieten zu versuchen. Das nervige und auf Plastik-Pop getrimmte „Broken Record“ kann dabei die Krone der generischen Traurigkeit für sich beanspruchen, was aber auch nur an der nichtssagenden Leere eines knapp siebenminütigen Lückenfüllers Namens „Strangers“ liegt. Der Hörer fasst sich enttäuscht an den Kopf oder hält sich direkt die Augen zu.

Besonders die schmerzlich umgesetzte technische Beschränktheit vieler 90er-Arrangements aus der Electro-Pop-Szene will kaum funktionieren. „All For You“ kann sich als Ausnahme anbieten, die allerdings auch nur das gute Mittelmaß für sich beansprucht. Langweiliges, aber zumindest leicht hörbares Einerlei („Beat Beat“ und „Every Night I Say A Prayer“) ist nach dem großartigen Auftakt noch das Beste, das man erwarten kann, wenn man nicht in komponiertem Plastik untergehen möchte („Shake“).

Gerade weil der Auftakt wirklich an die Qualität des Debüts anzuschließen schien, wirkt die anschließende Bruchlandung umso heftiger. Und bis auf einen oder zwei artige Vertreter des Mittelmaßes, muss man sich mit einer schlichtweg schwachen Platte herumplagen, die einen letztlich zu viel Zeit und Geld für das, was man da geboten bekommt, kostet.

Anspieltipps:

  • Motorway
  • Confusion
  • Satellite

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