Anvil - Hope In Hell - Cover
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Anvil Hope In Hell


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn die sympathischste Metal Band der Welt zum 15. Male aufspielt, ist gute Laune garantiert.

Es steht außer Frage, dass die 2008 erschienene Doku „Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft“ ein wahrer Segen für Steve „Lips“ Kudlow und Robb Reiner, den harten und unerschütterlichen Kern der kanadischen Heavy Metal-Gruppe Anvil, gewesen ist. Dass der Film von Kritikern und Zuschauern (auch und vor allem fernab der Szene) hochgelobt wurde, ist letztendlich zweitrangig. Wichtig ist, dass Anvil endlich die Beachtung bekommen konnten, die sie schon immer verdient haben. Und selbst wenn die Nachwehen der Doku auch nach dem 2011 erschienenen „Juggernaut Of Justice“ immer noch spürbar sind, können sich Lips, Robb und Neuzugang Sal voll und ganz auf ihr Schaffen konzentrieren, ohne ein finanzielles Desaster oder das endgültige Verkommen im Underground fürchten zu müssen. Anvil-Alben verkaufen sich wieder und die drei Musiker sind auf Festivals endlich wieder gern gesehene, respektierte Gäste. Wirklich weg vom Fenster war diese Band - egal, was man den Zuschauern auch implizieren wollte - eigentlich nie.

Aber so vital wie heute waren Anvil trotzdem lange nicht mehr. Kurzum: die Jungs aus Kanada sind da, wo sie sein müssen und setzen frisch und fröhlich ihren verdienten zweiten Frühling fort. „Hope In Hell“ ist das 15. Album von Anvil. Nicht mehr und nicht weniger. Wer im neuen Jahrhundert erwartet, dass sich sowohl die Bands als auch deren Musik weiter zu entwickeln haben, macht wie auch schon zuvor einen großen Bogen um Lips und seine Kollegen. Deren Anhänger werden dagegen nicht enttäuscht und bekommen in Form von traditionellem Shit ihren Fanservice. „Hope In Hell“ ist voll von Straight-Forward-Rockern, fetten Riffs, Möglichkeiten, die Windmühle zu machen und Gute-Laune-Metal. Heavy- und Speed-Metal-Häppchen wie „Eat Your Words“, Through With You“, „The Fight Is Never Won“ oder der Titeltrack sind dabei eher in der Unterzahl. Hauptsächlich regieren Mid-Tempo-Nummern, oftmals mit einem Motörhead'schen „Fuck you“ ausgestattet, und somit deren Interpretation von Rock 'n' Roll überaus nahe. Die Verbindung von Metal und Rock funktioniert wie gehabt: „Pay The Toll“ oder „Badass Rock 'n' Roll“ sprechen eine klare Sprache und bewegen sich auf der Grenze von Traditions-Metal und schmutzigem Hardrock. Ebenso verhält es sich mit dem fiesen „Shut The Fuck Up“, welches zusätzlich noch die zwei nicht explizit erwähnten Tracks „Hard Wired“ und „Fire At Will“ beinhaltet.

Man ahnt es schon: Anvil bleiben voll und ganz sie selbst, spielen ihren naiv-sympathischen Heavy Metal, dem die Zeit nichts anhaben konnte, und liefern nebenbei den gewohnt schmissigen Stoff für die nächste Metal-Party. Diese Herren vertrauen wie eh und je ihren eigenen Fähigkeiten! Mit „Hope In Hell“ setzen sie genau da an, wo sie 1981 mit „Hard 'n' Heavy“ angefangen und mit „Juggernaut Of Justice“ schließlich aufgehört haben. Manche nennen es Stagnation, andere nennen es Treue oder Ehrlichkeit. Beide Gruppen sollen Recht behalten. Aber wie man auch denken mag: Es ist gut, dass es Anvil gibt! In einer Zeit, wo viele Helden ein Schatten ihrer selbst sind, andere ihren Sound deutlich modifizierten oder modernisierten, bleiben Lips, Robb und Sal einer der letzten Beweise, dass die gute alte Zeit noch lange nicht zum alten Eisen gehört und auch heute genauso gut funktioniert wie damals. Fans, die wie Anvil selbst nie aufgehört haben, den Metal der 80er-Jahre zu leben, sind wieder dabei, auch wenn die ganz, ganz großen Hits ausbleiben und „Hope In Hell“ lediglich grundsolide Kost ist. Leute, die Anvil dann höchstens aus Sympathie und Respekt berücksichtigen (so was soll es ja geben), schauen sich dann allerdings doch lieber anderweitig um.

Anspieltipps:

  • Hope In Hell
  • Through With You
  • The Fight Is Never Won
  • Shut The Fuck Up

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