Portugal. The Man - Evil Friends - Cover
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Portugal. The Man Evil Friends


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Portugal. The Man erfreuen in 12 Songs mit ungewohntem Tempo und einer Vielfalt, die Spaß macht.

Das letzte Jahr muss ein ungewohntes Gefühl für Fans von Portugal. The Man hinterlassen haben. Die Jungs aus Portland, von denen man seit 2006 mindestens eine Albumveröffentlichung pro Jahr gewohnt war, haben für 2012 ihre Routine über Bord geworfen und sich für ihre zweite Majorlabel-Veröffentlichung ein Jahr mehr Zeit gelassen als üblich.

Mit drei Neubesetzungen seit In The Mountain In The Cloud und Danger Mouse als neuem Produzenten, ist der Weg für einen Neuanfang mit „Evil Friends“ geebnet. All diese Änderungen bedeuten aber nicht, dass Portugal. The Man sich komplett von dem, was sich auf den sechs Alben zuvor bewährt hat, trennen. Gourley tänzelt mit seiner charakteristischen Falsettstimme immer noch in den höchsten Tönen. Die Musik lässt sich immer noch nicht einwandfrei einem Genre zuordnen und bewegt sich weiterhin spielerisch zwischen Folk, Rock, Psychedelic und Synthie-Pop. Es wäre allerdings auch falsch zu behaupten, dass sich rein gar nichts geändert hätte - ganz im Gegenteil.

So scheint Danger Mouse der Einfluss zu sein, der Portugal. The Man bisher gefehlt hat, um ein wahrlich herausragendes Album zu schaffen. Eröffnet wird mit hochtönenden Hörnern und Rhythmusgitarre, komplettiert durch eine melancholische Stimmeinlage Gourleys. „Plastic Soldiers“ ist der erste und gleichzeitig längste Song des Albums, und stimmt den Hörer thematisch und strukturell auf „Evil Friends“ ein: Kurze Tempowechsel, Synthies und ein ungewohnt kräftiges Schlagzeug wechseln sich im Vordergrund ab, hinter dem musikalischen Vorhang spielen dagegen leise Violinen.

Portugal. The Man und Danger Mouse bedienen sich scheinbar am kompletten instrumentellen Register. Daraus resultieren Songs wie „Creep In A T-Shirt“ mit Piano-Einsatz, dominanter Hi-Hat, elektrischer Gitarre und einem Refrain, der von lauten Trompeten unterstützt wird. Die Essenz daraus lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es wird nicht langweilig! So fängt z.B. der Titeltrack „Evil Friends“ ruhig klimpernd, mit Rhythmusgitarre und Gourleys Gesang an. Dann setzt das Schlagzeug ein und der Song mutiert zum bis dato rockigsten Stück der Band. Gourleys Stimme wird durch ein Megafon gepresst, während rhythmisches Klatschen und knarzende E-Gitarren den Hörer antreiben.

Ein Hit folgt dem nächsten: „Modern Jesus“ besticht mit eingängiger Drumline, Synthies, die später noch im Ohr widerhallen, und einem Chor im Refrain. „Hip Hop Kids“ holt wieder die E-Gitarren und das Megafon raus. „Atomic Man“ glänzt mit zahlreichen Tempowechseln, klimperndem Piano, Wänden aus E-Gitarren und großartigen Schlagzeug- und Synthieeinsätzen. „Sea Of Air“ klingt wie ein klassischer Folksong mit akustischen Gitarren, rhythmischem Klatschen und einem Refrain, der in etwa so eingängig ist, wie der des Beatles-Klassikers „Yellow Submarine“. Die abschließenden Songs „Purple Yellow Red and Blue“ und „Smile“ sind beide genauso herausragend wie „Atomic Man“. Ersterer zeichnet sich durch organische Synthies, ein kräftiges Schlagzeug und feines Pianospiel aus, während die Ballade „Smile“ eine ähnliche Funktion wie der Opener einnimmt.

Der Hörer muss lange suchen, um irgendetwas Schlechtes an „Evil Friends“ zu finden. Es fällt beispielsweise auf, dass ruhige Passagen bei aller Abwechslung zu kurz kommen. So lässt das Album den Hörer kaum zur Ruhe kommen und wirkt dadurch ein wenig überladen. Abgesehen davon treten Portugal. The Man aber mit einem rockigerem und eingängigerem Sound auf, der sich alles Gute aus den alten Werken bewahrt und unverkennbar Portugal. The Man bleibt.

Fazit: „Evil Friends“ ist ein exzellent produziertes, abwechslungsreiches und schlicht und ergreifend Spaß bringendes Werk!

Anspieltipps:

  • Plastic Soldiers
  • Evil Friends
  • Modern Jesus
  • Atomic Man
  • Purple Yellow Red and Blue
  • Smile

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