Sigur Rós - Kveikur - Cover
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Sigur Rós Kveikur


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Schnellschuss oder Befreiung? Sigur Rós geben die Antwort als Trio.

Nur wenig mehr als ein Jahr nach „Valtari“, einer Rückbesinnung auf wohlgeformte, zerbrechliche Klangformationen der sinnlichen Sorte und der so typischen, durchdringenden Sehnsucht, schwimmen sich die Isländer Sigur Rós frei. Gestärkt und vor Kreativität überbordend ist „Kveikur“ das Album nach dem Abgang von Keyboarder Kjartan Sveinsson. Zwangsläufig neu orientiert ergreift das verbliebene Trio die Flucht nach vorne und verabreicht ein ins Mark gehendes, siebtes Werk.

Der Opener „Brennisteinn“ ist mit seinen dramatisch heran rollenden Drums sowie dem dichten Fundament aus Bass und Gitarre schon fast Rock‘n‘Roll. Zumindest ist er so nahe am Doom-Rock wie noch nichts aus dem bisherigen Schaffen der Band. Dennoch versteht er es, in hymnischen Momenten diese angestammte, traumwandlerische Schönheit zu verarbeiten und zeigt damit, welch großartige Dynamik in diesen neun Stücken wohnt. „Hrafntinna“ trabt von markanten Percussions begünstigt in feierliche Regionen, in denen Streicher und Bläser für die liebliche Note sorgen, insgesamt jedoch eine industrielle Stimmung vorherrscht. Gerade diese Mischung aus kühler, zeitweise bedrohlicher Ausstrahlung und versöhnlichen Harmonien ist ein echter Gewinn für den Longplayer, aber auch insgesamt für die Band.

Spannungsvoll den Hörer vereinnahmend, geht es in Form von „Ísjaki“ weiter. Ein Song, der gradlinig echten Pop versprüht und damit dem Solo-Output von Sänger/Gitarrist Jónsi nahe kommt. Doch die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft, wie der intensiv strahlende Freigeist-Ambient eines „Yfirborð“ inklusive Uptempo-Passagen und verstörender (Stimm-)Verfremdungen deutlich macht. „Kveikur“ holt mit dem Titeltrack ästhetischen Noise ins Boot, ehe sich dieser in einer amtlichen Wall Of Sound bei „Rafstraumur“ in herrlich beat-lastigem Wohlklang auflöst.

So wandlungsfähig wie noch nie und dabei stets anziehend die Pole von schmerzlicher Entfremdung und wärmender Heimkehr in Musik transferiert, gelingt Sigur Rós ein mächtiges Werk. Anders, doch auch deswegen ein Schritt weiter in noch faszinierendere Klangformationen.

Anspieltipps:

  • Brennisteinn
  • Ísjaki
  • Yfirborð
  • Rafstraumur

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