Tom Odell - Long Way Down - Cover
Große Ansicht

Tom Odell Long Way Down


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Junge mit dem Piano aus England versucht zuallererst zu gefallen, anstatt zu überwältigen.

„Wie, schon vorbei?“, fragt man sich schon mal, wenn der Piano-Pop in „Grow Old With Me“ nach beschwingten drei Minuten einfach aussetzt. Kein großes Finale und auch keine zweiter Schritt. Hier lässt sich eine lockere Idee nicht zur Entwicklung verleiten, sondern endet etwas abrupt. Aber Odell hat nicht nur kleine Ideen zu Songs ausgeweitet, sondern findet selbst noch heraus, welche Ideen beim Hörer am besten ankommen. Da hört ein Opener nach bloßer Einstimmung schon mal auf. Wem das nicht passt, der bekommt klassische Bridge und Explosion zum Finale in „Hold Me“. Nur die Ruhe.

Es sind aber nicht diese einfachen, doch soliden Nummern, die den Hörer locken. Tom Odell ist ein junger Mann, der es mag, über die Art des Gesangs zu tragen, und greift dementsprechend oft auf Chöre zurück. In seiner Vorab-Single „Another Love“ macht er besonders durch die Betonung im Refrain und die gespenstischen Ooohs im Hintergrund Eindruck und bleibt im Kopf der Hörer. Mit noch mehr Größe und finsterer gelingt ihm dieser Akt in „Can't Pretend“. Ein stimmiger Track, der wohl nur deshalb nicht zur Single wurde, weil der eher düstere Klang die Musik Odells nicht so gut repräsentiert.

Die Musik funktioniert aber auch deswegen so gut, weil der Pop-Musiker viele Einflüsse aus dem Singer/Songwriter-Genre übernimmt. Die Gefühle in seiner Stimme und seiner Musik sind immer wieder intim genug, um romantische Hörer zu erreichen. Ein „Sense“ scheint gar ein Neonschild über sich zu halten, dass man es doch bitte in einer Liebesszene im Fernsehen verwenden möge. Sobald eine gewisse Größe dazukommt, verlieren die Lieder an Natürlichkeit. Das versucht Odell durch eingängige Melodien in Songs wie „Sirens“ und „I Know“ wettzumachen und glücklicherweise gelingt dieser Kompromiss oft in überzeugender Art.

Das Album rutscht nie in Plattitüden ab und erhält dank der etwas anderen Popsongs „Can't Pretend“ und „Another Love“, sowie der Balladen einen eigenen, glaubwürdigen Klang. Dazu gibt es in Form von „Till I Lost“ durchaus Beweise, dass auch im Haifischbecken Mainstream mit Tom Odell zu rechnen ist. Aussetzer lässt das Album komplett aus und das eine oder andere Stück Mittelmaß kommt im Schnitt gut weg. Mit Tom Odell sollte man auch weiterhin rechnen, auch wenn er mit seinem Debüt „Long Way Down“ noch niemanden umhaut. Das Potenzial, vielen Menschen zu gefallen, hat der junge Mann auf jeden Fall.

Zusätzlich soll auf die Inhalte der Deluxe Version eingegangen werden. Diese beinhaltet die Bonustracks „I Think It's Going To Rain Toady“, „Storm“ und „Heal“. Die beiden Demo-Versionen von „Till I Lost“ und „Grow Old With Me“ klingen einfach wie schlichtere Versionen der Album-Versionen. Die beiden Balladen („I Think It's Going To Rain Today“ und „Heal“) sind sehr gelungene Stücke, die wohl das Tempo des Albums hätten bremsen können. Da aber gerade in den ruhigen Momenten die Stärke Odells liegt, sind diese beiden Lieder es mehr als wert, gehört zu werden. Dagegen ist „Storms“ zwar eine nette Stadionhymne, doch von diesen hat man auf dem regulären Album schon zur Genüge bekommen. Insgesamt sollten angetane Hörer des aufstrebenden Pop-Stars über die zusätzlichen Inhalte nachdenken, da es sich um vollwertige Stücke und nicht nur um halbgare B-Seiten handelt.

Anspieltipps:

  • Can't Pretend
  • Another Love
  • Till I Lost

Neue Kritiken im Genre „Songwriter-Pop“
Diskutiere über „Tom Odell“
comments powered by Disqus