Kacey Musgraves - Same Trailer Different Park - Cover
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Kacey Musgraves Same Trailer Different Park


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Back to the Roots, um die angestaubte Country-Szene vor der kompletten Vegas-Isierung zu retten. Doch wo endet die Ahnenforschung? Bei Dolly Parton oder doch eher Loretta Lynn?

Back to the Roots, um die angestaubte Country-Szene vor der kompletten Vegas-Isierung zu retten. Doch wo endet die Ahnenforschung? Bei Dolly Parton oder doch eher bei Loretta Lynn?

Das Jahr 2012 steht für vieles. Curiosity landet auf dem Mars. Obama gewinnt erneut die Präsidentschaftswahl. Whitney Houston stirbt einen tragischen Tod. Dass Letztgenannte zehn Jahre zuvor mit dem Cover eines fast vergessenen Country-Songs zur unsterblichen Diva avancierte, mag da ganz gut passen. Mit viel Glück konnte man 2012 nämlich auf den Country-Stationen der Nation auch einer jungen Dame lauschen, wie sie herrlich unsentimental die fehlende Antriebskraft gelangweilter Vorstadtbewohner besang und dabei der überstrapazierten Metapher vom Leben als „Merry go ‘round“ (so der Titel der damals veröffentlichten Debütsingle) mit intelligenten Wortspielereien tatsächlich noch etwas Neues abgewinnen konnte. Die Rede ist von Kacey Musgraves.

Begleitet von Banjo, Klavier und zurückhaltender Percussion, wurde da sanfte Gesellschaftskritik über den Äther gejagt, der bald die Hoffnung folgte, es hier mit dem neuen schlechten Gewissen des Genres zu tun zu haben. Von dieser Erwartung sollte sich der Hörer vor dem Einlegen von Musgraves Major-Debüt „Same Trailer Different Park“ fairerweise distanzieren. Denn gleich der stilistisch dem „Merry go ‘round“-Stil ähnlich angesiedelte Opener „Silver linings“ verteilt großzügig tröstendes Schulterklopfen, gepaart mit purer Eingängigkeit, und gibt musikalisch den Rahmen für das restliche Album vor. Mit den Produzenten Shane McAnnally (Lady Antebellum, Kelly Clarkson) und Luke Llaird (Ne-Yo, John Legend), kreiert Kacey Musgraves ein zurückhaltendes, beinahe intimes Klangbild, bestehend aus viel Folk und dezenten Country-Anleihen, das sich angenehm unter ihre junge, unprätentiöse Stimme legt.

Das bluesige „Blowin´ smoke“ (könnte so auch in einem gewissen „Tuesday Night Music Club“ laufen) und die rumpelnde Quasi-Road-Trip-Hymne „My house“ brechen da noch am ehesten aus diesem Kontext aus. Große Überraschungen sowie eine persönliche Handschrift sind also trotz Beteiligung an jedem der 12 Stücke viel eher in den unverblümten Texten zu finden. Diese strotzen nur so vor genau den kleinen Ecken und Kanten, die musikalisch gekonnt umschifft werden und bieten einfallsreiche Metaphern („Silver linings“, „Dandelion“) und teils ungewöhnliche Perspektiven („Back on the map“).

Mit so viel Pragmatik wie in „It is what it is“ begegnet der Hörer einer Affäre wohl selten und auch „Follow your arrow“ bietet Self-Empowerment 2.0. Deshalb gilt: Mit ihrem Major-Debüt will Kacey Musgraves offensichtlich gar nicht erst versuchen, die Rolle der Genre-Revolutionärin einzunehmen, die ihr vor allem in den Vereinigten Staaten anhaftet. Anstatt das schlechte Gewissen einer Nation zu mimen, versucht sie vielmehr entspannt und ungekünstelt ihr eigenes in bester Singer/Songwriter-Manier zu erleichtern.

Anspieltipps:

  • Merry Go 'Round
  • It Is What It Is

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