Rod Stewart - Time - Cover
Große Ansicht

Rod Stewart Time


  • Label: Capitol/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die ersten neuen Eigenkompositionen seit 20 Jahren. Wer hätte daran noch geglaubt?!

Nachdem Rod Stewart (68) die vergangenen zehn Jahre seiner Karriere ausschließlich mit dem Einsingen von Cover-Alben verdaddelt hat („The Great American Songbook 1-5“), legt er jetzt mit „Time“ das erste Studioalbum seit rund 20 Jahren (!) vor, auf dem bis auf ein Tom-Waits-Cover („Picture in a frame“) durchgehend nagelneue Eigenkompositionen zu finden sind. Ganz ehrlich, das wurde aber auch Zeit! Denn wem der Balladen-, Swing-, Soul- und Rock-Classic-Kram inzwischen nicht zu den Ohren hinaushängt, muss mit besonderer Geduld und Nachsicht ausgestattet sein.

Stewarts 19. Album entstand, als der 68-Jährige an seiner Autobiografie gearbeitet und dabei vermutlich noch einmal Blut geleckt hat, eigene Texte und Songs zu schreiben. Und auch wenn Rod Stewart nicht ohne ein paar Co-Komponisten ausgekommen ist, ist dies immer noch echter, ehrlicher, sympathischer und glaubwürdiger, als für immer und ewig mit Coverversionen zu langweilen oder bei einer überbezahlten Hollywood-Flitzpiepe panisch ein paar Hits in Auftrag zu geben.

Wer im Laufe seiner Karriere Hits wie „Maggie May“, „Sailing“ oder auch „The first cut is the deepest“ abgeliefert hat, kann sein Handwerk im Prinzip nicht verlernt haben. Und so gestaltet sich „Time“ als Parforceritt durch 40 Karrierejahre, vergleichbar mit dem, was David Bowie auf „The Next Day“ (03/2013) abgeliefert hat. Stewart macht in seinen neuen Songs überall dort noch einmal Halt, wo er in vier Dekaden musikalische Ausrufezeichen gesetzt hat. Er verarbeitet biografische Texte und mitunter klassische Stewart-Harmonien („Live the life“ schaut z.B. kurz bei „Maggie May“ vorbei) und macht damit fast alles richtig.

Der Auftakt des Albums mit „She makes me happy“ und dem mit Dudelsackklängen angereicherten „Can’t stop me now” (Rod Stewart ist Celtic Glasgow Fan!), das seinem im Jahr 1990 verstorbenen Vater gewidmet ist, ist wie ein Lockruf für den Sommer mit eingängigen Melodien und mitreißenden Rhythmen. In dem balladesken Scheidungslied „It’s over“ geben sich ein Kinderchor und ein Orchester die Ehre und unterstützen auch hier eine prächtige Melodie. Im treibenden „Beautiful morning“ fällt besonders ein herrlich altmodisches Saxofon-Solo auf, während in „Finest woman“ 80er-Jahre-Gitarrenklänge und schneidige Bläserriffs aufeinandertreffen.

Das ist gekonnte, unschuldige Popmusik, aus der mit dem schwülstigen Disco-Stampfer „Sexual religion“ nur ein einziger echter Ausfall negativ herausragt, wobei das Saxofon-Solo eigentlich schon wieder so lustig ist, dass auch hier ein Auge zugedrückt werden kann. Bevor Rod Stewart dann mit „Pure love“ einen mächtigen, von Orchesterklängen begleiteten Schlusspunkt setzt, weht durch „Make love to me tonight“ noch ein wenig der „Mandolin wind“ aus Stewarts 1971er Album „Every Picture Tells A Story“ und rundet so ein gelungenes Spätwerk ab, das Rod Stewart so zeigt, wie man ihn in den 70er und 80er Jahren kennen und lieben gelernt hat.

Anspieltipps:

  • It’s over
  • Pure love
  • Beautiful morning
  • Can’t stop me now
  • She makes me happy

Neue Kritiken im Genre „Pop“
5.5/10

The Versace Experience (Prelude 2 Gold)
  • 2019    
Diskutiere über „Rod Stewart“
comments powered by Disqus