Hacride - Back To Where You´ve Never Been - Cover
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Hacride Back To Where You´ve Never Been


  • Label: Indie Recordings/EDEL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Frankreichs neues Aushängeschild in Sachen Death- und Prog-Metal.

Noch heute ist Frankreich eines der wenigen europäischen Länder, welches mit keiner wirklich eigenständigen und prägnanten Metal-Szene abseits des Undergrounds auffahren kann. Großbritannien ist der Geburtsort von so vielem und auch dem Metal, Deutschland stellt eine weltweit anerkannte und bejubelte Thrash- und Power-Macht dar, Italien sorgt für vernerdeten Kram und schlittert stets haarscharf am Untergrund vorbei, und Spanien konnte seit jeher besonders mit muttersprachlichen Beiträgen begeistern. Nord-Europa soll an dieser Stelle einfach mal unerwähnt bleiben. Und doch verirrt sich nur alle Jubeljahre eine Band aus der Grande Nation in internationale Gefilde. Einer der aufsehenerregendsten und vielleicht besten der letzten Jahre sind Hacride aus Poitiers. Mit „Back To Where You've Never Been“ haben Adrien Grousset (Gitarre), Florent Marcadet (Schlagzeug), Benoist Danneville (Bass) und Sänger-Neuzugang Luiss Roux ihr bereits viertes Album am Start und meinen es anscheinend ernst. Nach den Longplayern „Deviant Current Signal“ (2005), „Amoeba“ (2005) und „Lazarus“ (2009) sollte dies auch kein Wunder sein - hochgelobt von Fans und Kritikern sowie mit einer durchweg hohen Qualität, sollte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Hacride ganz oben angekommen sind. Ihr Album Numero vier soll die Erfolgsgeschichte nun selbstverständlich fortführen.

Und die Franzosen setzen da an, wo sie mit „Lazarus“ aufgehört haben, bleiben sich selbst treu und machen doch so vieles anders. Im Gegensatz zum Material auf der letzten Langrille setzen Hacride wieder weniger auf verschachtelte Strukturen und Komplexität, sondern vielmehr auf gute Melodien und Eingängigkeit. Ihr Death Metal wird abermals mit den Regeln des Progs angereichert und profitiert so von einem interessanten, aber nicht anstrengenden Aufbau. Die Growls vom neuen Frontmann Roux lassen zudem immer wieder Erinnerungen an den Metalcore aufkommen, dominieren den Sound von „Back To Where You've Never Been“ aber zu keiner Zeit. Dann und wann setzt sein cleaner Gesang einen Kontrast. Die acht Kompositionen sind gleichzeitig progressiv und so smooth, dass trotz diverser Spielereien eine Menge auf Anhieb hängen bleibt. Jene Vorgehensweise ist typisch für diese Band und beschert ihr Eigenständigkeit: Das Ergebnis resultiert in einer gelungenen Mélange aus Death Metal mit warmem, saftigem Sound („Strive Ever To More“, „Overcome“, „Ghosts Of The Modern World“) und unterkühltem, atmosphärischem Prog („Edification Of The Fall“, „To Numb The Pain“, „Requiem For A Lullaby“). Mit der Härte hält man sich oftmals ein wenig zurück, moderner Death Metal der Marke Soilwork trifft hier eher auf späte Fates Warning - wahrlich nicht die schlechteste Kombination!

Das wichtigste ist jedoch, dass es Hacride gelingt, ihren ganz eigenen und mehr oder wenigen unverkennbaren Sound zu präsentieren. Sicherlich ist das alles nicht wirklich neu, aber gekonnt, professionell und ziemlich charmant dargeboten. Ähnliche Bands können sich hier durchaus mal eine Scheibe abschneiden. Der immer größer werdende Fankreis der Jungs aus Poitiers wird „Back To Where You've Never Been“ mit Sicherheit begeistert aufnehmen. Besonders Anhänger der ersten beiden Alben werden ihren Spaß haben, auch wenn der neue Sänger den Klang der Band um Aspekte erweitert, die nicht vollends für Begeisterung sorgen sollten. Dennoch ist Hacride ein weiteres ziemlich gutes Album gelungen, das sich unbedingt sehen bzw. hören lassen kann! Mit diesen Musikern in petto hat die französische Szene einen weiteren Protagonisten gewonnen, der das Land in Sachen Death- und Progressive Metal ohne Schwierigkeiten repräsentieren kann. Und auch wenn das große Aha-Erlebnis zu Zeiten des Debüts oder dritten Albums diesmal nicht unbedingt wiederholt werden kann, scheinen die Franzosen doch sicher im Hafen angekommen zu sein.

Anspieltipps:

  • Strive Ever To More
  • Edification Of The Fall
  • To Numb The Pain
  • Requiem For A Lullaby

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