The National - Trouble Will Find Me - Cover
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The National Trouble Will Find Me


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Leiden der Anderen: The National laden zum kollektiven Mitfühlen ein. Und da sind selbst Dämonen hochwillkommen.

Lieder über Tod, Erniedrigung, Selbstzweifel, Aussichtslosigkeit: „Trouble will find me“, eben. The National stehen textlich für Kontinuität in Sachen Leid. Das durfte vermutet werden, denn mit der Zeile „But i stay down / with my Demons“ warf schon die Vorabveröffentlichung düstere Schatten. Matt Berninger bleibt ein Getriebener. Jene Dämonen, die ihn seit Jahren Meisterwerke der Melancholie schreiben lassen, verfolgen den Sänger auch hier unablässig.

„Ein Glück“, wäre hierfür eine Einschätzung, die zwar von wenig Nächstenliebe zum Getriebenen, aber von großer Begeisterung für in Moll gehaltene Töne zeugt. Diese schaffen auf „Trouble will find me“ meist Klavier, Gitarren und verstärkt auch Streicherarrangements. Markantestes Merkmal der amerikanischen Indie-Rocker ist jedoch das Zusammenwirken von Schlagzeug und Gesang. Bryan Devendorf, gemeinsam mit Bruder Scott verantwortlich für Rhythmussektion, prägt die Strukturen eines jeden Songs. Selten, indem er sich kraftvoll in den Vordergrund trommelt - wie etwa im ungewöhnlich rumpeligen „Sea of Love.“ Eher schleicht sich der Rhythmus vermeintlich träge durch die Kompositionen, während Berningers hintergründiger Bariton stets einen Wimpernschlag hinter dem Takt hängt. Doch wenn ein Song in seiner Entwicklung neue Wege geht, folgt er meist einer Spur, die Bryan Devendorf zuvor dezent gelegt hat.

Im Vergleich zum Vorgänger fallen die Melodien heuer weniger aufdringlich mit der Tür ins Haus. Der einzige Song, der wirklich sämtliche Reize unverhüllt lässt, trägt ausgerechnet den Titel „Graceless“. Der Rest kommt deutlich verhaltener daher, es braucht einige Durchläufe, bis sich die Schönheiten offenbaren. Doch wie „I need my Girl“ sich genügsam am vermutlich schüchternsten Gitarrenriff aller Zeiten abarbeitet; wie „Slipped“ mit jedem Ton dem großen Drama näher rückt; wie „Heavenfaced“ sich unaufgeregt vom kleinen Seufzer zur überlebensgroßen Ballade aufschwingt: Das sind Entdeckungen, für die eine ungeteilte Aufmerksamkeit so notwendig wie lohnend ist.

Dass „Trouble will find me“ am Ende vielleicht nicht allen Erwartungen standhält, liegt wohl weniger an fehlender Substanz, als an den Erwartungen selbst: Dass sie mindestens das schönste Album aller Zeiten veröffentlichen, schien mit Blick auf ihre bisherige Entwicklung schließlich fast folgerichtig. Das ist es nun nicht geworden. Dennoch behaupten The National ihre Ausnahmestellung - und bleiben die unantastbare Referenz im Kosmos der vertonten Melancholie.

Anspieltipps:

  • I Should Live in Salt
  • Heavenfaced
  • Graceless
  • Slipped

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