Xavier Naidoo - Bei Meiner Seele - Cover
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Xavier Naidoo Bei Meiner Seele


  • Label: Naidoo Records/Tonpool
  • Laufzeit: 50 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieser kreative Schnellschuss wird auch Hardcore-Fans auf eine harte Probe stellen.

Kaum ein deutscher Musiker ist so fleißig wie Soulsänger Xavier Naidoo (41), der scheinbar immer irgendwo und irgendwie mitmischt – und sei es „nur“ als Juror in der Casting-Show „The Voice Of Germany“. Stillstand kennt der Mannheimer jedenfalls nicht. Und so steht nun nach der Kollaboration mit Rapper Kool Savas als Xavas („Gespaltene Persönlichkeit“, 09/2012), einem Best-Of-Album („Danke Für’s Zuhören: Liedersammlung 1998-2012“, 02/2012) und einem misslungenem Dubstep-Ausflug als Der Xer („Mordsmusik“, 03/2013) bereits Naidoos fünftes Soloalbum „Bei Meiner Seele“ auf dem Plan.

Das Gros der neuen Songs entstand in Zusammenarbeit mit dem jungen Komponisten und Produzenten Jules Kalmbacher (22). Lediglich das Stück „Junge“ wurde von Farin Urlaub (Die Ärzte) geschrieben und getextet. Witzig: Diesen Ärzte-Song hat auch Schlagerstar Heino erst kürzlich für sein Album „Mit freundlichen Grüßen“ (02/2013) gecovert. Darüber hinaus bietet das neue Album ein Duett mit 3P-Chef Moses Pelham (42), mit dem sich Xavier Naidoo vor Jahren noch gerichtlich bekriegte. Jetzt scheinen sich die beiden wieder ganz doll lieb zu haben. Denn lieb haben ist auch eines der zentralen Themen auf dem vorliegenden Longplayer.

In überwiegend ruhige Soul-Pop-Arrangements verpackt Xavier Naidoo wieder seine so gefürchteten Predigten an die Menschheit. Dabei fehlen diesmal bis auf das Stück „Der letzte Blick“ die ganz großen Radiohitkandidaten der Vergangenheit wie „Dieser Weg“, „Ich kenne nichts“ und „Nicht von dieser Welt“. Dafür geizt der 41-Jährige nicht mit Botschaften, wobei seine kryptischen Ansichten von Religion und Moral heuer nicht so extrem wie früher ausgefallen sind. Eine Gratwanderung sind die Songs dennoch.

Das in wenigen Tagen geschriebene Werk vermittelt über weite Strecken das Bild eines kreativen Schnellschusses, der Songs wie „Stiller (Teilhaber)“ oder auch „Woran kann ich den Menschen erkennen“ im Schlepptau hat, die noch nicht einmal als Füllmaterial durchgehen. Darin reitet Naidoo auf platten Melodien, einfallslosen Arrangements und naseweisen Texten herum, die einen erschreckend schwachen Eindruck hinterlassen. So muss sich der Hörer durch ein Album quälen, das diesen mit den Selbstreflexionen eines Superstars über dessen Hobbys („Autonarr“) und seine Karriere („Hört hört“) belästigt und mit einer völlig ironiefreien Coverversion von „Junge“ böse über das Ziel hinausschießt.

Dabei traut sich Xavier Naidoo durchaus ein paar Experimente zu. So ist „Autonarr“ in einen Reggae verpackt, „Deine Last“ wird durch Moses Pelhams Rap-Part aufgelockert, „Bei meiner Seele“ im DJ Release Remix huldigt dem Funk der 70er Jahre und das leicht rockige „Höchste Zeit“ verschafft dem Männer verurteilenden Text noch mehr Biss. Insgesamt ist das trotzdem zu wenig, um ein Album mit nachhaltiger Wirkung auszustatten. Denn am Ende bleibt die Empfindung eines hastig zusammengestellten Werks, das musikalisch und inhaltlich lediglich ein wenig an der Oberfläche kratzt, aber nicht in die Tiefe geht.

Anspieltipps:

  • Deine Last
  • Der letzte Blick
  • Bei meiner Seele
  • Woran kann ich den Menschen erkennen

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