Norse - All Is Mist And Fog - Cover
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Norse All Is Mist And Fog


  • Label: Source Of Deluge/Collectors Mine
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Diese zwei Australier bringen mit einer technisch grandiosen Genre-Chimäre ihrem Heimatland die wohlverdiente Abkühlung.

Australiens Metal-Untergrund kocht! Mehr und mehr kann sich Down Under mit Extreme-Metal-Beiträgen international etablieren. Man denke nur an Hellbringer, die 2012 mit „Dominion Of Darkness“ astreinen Old-School-Thrash und Proto-Black abgeliefert haben. Auch wenn nordische Kälte natürlich stets das kleine bisschen Authentizität extra bringt, gibt es keinen Grund, dass sich die australische Szene hinter Europa verstecken muss. Norse legen nach und verzaubern den Hörer damit, dass zumindest musikalisch der sonnige Kontinent eine unterkühlte Nuance bekommt. Treelo Herrington (Gesang, Gitarre) und Robin “Frog” Stone (Schlagzeug) erhoben ihre kleine Band 2005 aus der Taufe und veröffentlichten 2010 ihr Debüt „Hellstorm“. Mit „All Is Mist And Fog“ melden sich die Fieswatze aus den Southern Highlands nun zurück und veröffentlichen ihren zweiten Longplayer nach einer Verspätung von fast einem Jahr auch in unseren Breitengraden.

Ob es sich um angeschwärzten Death Metal oder Black Metal mit einigen Elementen von Death Metal handelt, ist nie ganz eindeutig. Eins ist aber klar und unüberhörbar: Norse machen keine Gefangenen und bombardieren den Hörer mit einem Arsenal von Blastbeats, Dissonanzen, doomigen Klängen und einem stellenweise fast schon progressiven Aufbau ihrer Kompositionen, was besonders dem schlichtweg phänomenalen Schlagzeugspiel des Herrn Stone zu verdanken ist. Letztgenannter ist dabei nur das Salz in der Suppe - Norse haben einen extremen Stil und ziehen jenen auch bis zum Ende durch. Kompromisse machen sie nur am Rande und so sind beispielsweise der Opener „Neglect“, „Towards The Shining Sky“ oder „Concrete Wastes“ energiegeladene Wirbelsäulenfolterer, welche mit ihrem beinahe durchgängig zu erkennenden Thrash-Einschlag an die ersten Gehversuche Sodoms erinnern und somit abgesehen von der einen oder anderen technischen Passage relativ oldschoolig daherkommen.

Der Doom-/Mathcore-Hybrid „Plaguewhore“ sowie der atmosphärische Thrash-Progger „Magus“ beweisen dann ein für alle Mal, welche Qualitäten in Sachen Songwriting die beiden Australier wirklich haben. Anstatt den Härtegrad künstlich oben zu halten oder die Kompositionen mit experimentellem Unsinn zu verseuchen, verbinden Norse beide Elemente und verleihen dem gesamten Album Dynamik und Seele. Nie verzichten sie dabei auf Melodien. Doch anstatt Keyboard-Synthies und Konserven-Orchester auszupacken, zählt man auf die Rhythmusfraktion und einer immer wieder zu entdeckenden Virtuosität. Viele Details verstecken sich auf „All Is Mist And Fog“ - wer mehrfach hinhört, kann sie alle entdecken. Da hat jemand definitiv etwas richtig gemacht!

Das Schlusslicht „Gravel“ treibt alles auf die Spitze und zelebriert Härte, Verstörtheit und einen gesunden Ausflug in exzentrische Avantgarde-Gefilde der Marke Sigh! Freunde des extremen Metals mit dem gewissen Etwas sollten spätestens hier vollends überzeugt sein. Schon erstaunlich, dass Norse schon an einem so frühen Punkt ihrer musikalischen Laufbahn derart professionell und intelligent vorgehen. Sie vereinen viele Facetten ihrer musikalischen Einflüsse zu einem organischen Gesamtbild und schaffen die Glanzleistung, ihren Fokus nicht aus den Augen zu verlieren. Damit setzen sich die Black Metaler angenehm von der Konkurrenz ab und haben mit ihrem „All Is Mist And Fog“ ein echtes Argument für die Reisenden im Sumpf der Black-Neuveröffentlichungen parat. Auch wenn noch viel Luft nach oben offen ist, sollten Fans des Genres auf jeden Fall einen Blick riskieren. Diese Band wird man nicht das letzte Mal gehört haben!

Anspieltipps:

  • Neglect
  • Plaguewhore
  • Concrete Wastes
  • Magus
  • Gravel

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