Sportfreunde Stiller - New York, Rio, Rosenheim - Cover
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Sportfreunde Stiller New York, Rio, Rosenheim


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Peter, der Rüdiger und der Florian sind wieder da!

Dieser Band kann nichts und niemand etwas anhaben! Denn wer mit einem Sänger, der nicht wirklich singen kann, Texten, die ebenso charmant wie hölzern sind, dass sie sämtliche Kritiker entwaffnen und mit ungestümen Melodien, die zu Oktoberfest-Hits werden, seit Jahren eine so wichtige Rolle in der deutschen Musikszene spielt, ist in einer Liga mit den Ärzten und Hosen angekommen und kann quasi machen, was er will - es verkauft sich trotzdem.

Lange waren sie weg. Ungewöhnlich lange. Klar, von dem Erfolg des 2009er Unplugged-Albums ließ sich lange zehren, doch man darf nicht vergessen, dass das letzte reguläre Studioalbum („La Bum“) inzwischen fast gigantische sechs Jahre auf dem Buckel hat. Deshalb durften sich die Fans zwischendurch durchaus ein paar Sorgen machen, ob es noch einmal etwas wird, mit neuen Songs des bayerischen Trios, das im Laufe des Jahres 2011 die Arbeit an ihrem neuen, inzwischen sechsten Album, „New York, Rio, Rosenheim“, aufgenommen hat.

Der Einstieg in die neue Langrille der Sportfreunde erfolgt mit einer Reihe klassischer Sporti-Tracks, die sämtliche stilistischen Markenzeichen des Trios auffahren. So ist die eröffnende „Hyme auf dich“ ein herrliches Konglomerat aus zackigen Gitarrenriffs und quietschenden Keyboards, die eine eingängige Melodie ausspucken, über die wunderbar eckig „Hey hey my my - Selbstkritik will never die“ getextet wird. Weiter geht es mit dem flotten „Wenn Pferde schlafen“, das an selige NdW-Zeiten erinnert, was am Ende des Albums mit „Let’s did it!“ noch einmal passiert, aber dort schwer in die Hose geht.

Der legitime (erwachsene) Nachfolger des eigenen Klassikers „Ein Kompliment“ ist die erste Singleauskopplung „Applaus, Applaus“, das sich an vergleichbaren, wiederum ganz schön schrägen Metaphern über die Liebe bedient. Der Titeltrack verfügt ebenfalls über eine starke Hookline, doch der Weg dorthin führt leider nur über Textzeilen wie „Wir strahlen wie ein Reaktor nach nem Pilzrisotto. Unsre Liebe wankt nicht wie die Partei im Wahlkampflotto. Unser Fieber steigt schneller als der Meeresspiegel und wir wollen nicht leben wie ein eingerollter Igel“. Oha!

In „Unter unten!“ nehmen die Sportfreunde Stiller sich und ihre Textkunst gepflegt selbst auf die Schippe, läuten damit aber auch den schwachen Mittelteil des Albums ein, der erst mit „Festungen & Burgen“ wieder einen Höhepunkt erlebt, wenn unsere drei Lieblingsbayern eine Liebes(kummer)ballade in bester Kirchentagsmanier anstimmen, die kein Augen trocken lässt. Daraufhin mündet das Album nach zwei verzichtbaren Titeln („Wieder kein Hit“, „Lederjacke“) in den pathetisch-schönen Schlusspunkt „Wunder fragen nicht“, der mit seinem hymnischen Refrain als kommender Live-Klassiker gehandelt werden darf.

Damit endet ein Album, das es dem Hörer nicht einfach macht, da es mit Höhen und Tiefen zu kämpfen hat. Konsequenterweise sollte der geneigte Käufer deshalb am besten zur Deluxe Edition von „New York, Rio, Rosenheim“ greifen. Diese beinhaltet nämlich eine Bonus-CD, auf der alternative Versionen von fünf Album Tracks enthalten sind. Und siehe da, es handelt sich exakt um die fünf besten Stücke des Longplayers, um die herum ein Werk gezimmert wurde, das bei nur 40 Minuten Spielzeit zu viel Füllmaterial beinhaltet.

Anspieltipps:

  • Hymne auf dich
  • Applaus, Applaus
  • Festungen & Burgen
  • Wunder fragen nicht
  • New York, Rio, Rosenheim

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