Queens Of The Stone Age - ... Like Clockwork - Cover
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Queens Of The Stone Age ... Like Clockwork


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Queens Of The Stone Age bleiben die unberechenbarste aller relevanten Rockbands.

An der Erwartungshaltung, das nächste Meisterwerk im alternativen Rock zu werden, scheitert das sechste Studioalbum der Queens Of The Stone Age zwar, dennoch ist das moderateste, am wenigsten wilde und gefährliche Album, das Josh Homme je (ganz gleich ob mit Kyuss, QOTSA, Desert Sessions, Eagles Of Death Metal oder Them Crooked Vultures) vollbracht hat, ein starkes.

Wie das? Zunächst sei rekapituliert, was die Queens ausmachte und hierher, auf den Kritikerolymp des Alternative Rock gebracht hat, mit dem die Bürde jener erwähnten Erwartungshaltung einhergeht: Alben voller Undurchdringlichkeit und Wahnsinnsritten durch die mentalen Untiefen bewusstseinserweiternder Zustände. Brutale, zwingende Kracher wie „Song For The Dead“, „Sick, Sick, Sick“ und „Feel God Hit Of The Summer“ standen immer schon unwiderstehlich leidenschaftlichen, männlich erotisierten Balladen gegenüber („In The Fade“, „A Long Slow Goodbye“, „Make It With Chu“).

All das findet so nicht mehr statt auf „…Like Clockwork“, und das ist ein Wagnis. Selbstreflexion ist das große lyrische Thema und damit einher geht eine gewisse Zurückhaltung. Auch die vermeintlich harten Stellen und selbst die fetten, breitbeinigen Riffs werden mit angezogener Handbremse präsentiert. Kein „Go With The Flow“ mehr also, kein „Quick And To The Pointless“; Josh Homme, immerhin kürzlich 40 Jahre geworden und mittlerweile zweifacher Vater, lässt es - ruhiger wäre das falsche Attribut - nachdenklicher angehen, was letztlich wie die Einleitung eines Spätwerks anmutet.

Insofern sind die Queens Of The Stone Age - mit „…Like Clockwork“ nun endgültig - für Homme das, was die Nine Inch Nails für Trent Reznor sind. Eine lediglich ausführende Truppe der eigenen kreativen Impulse. Die illustre Gästeliste führt vollkommen in die Irre. Jeder, der das Album hört, wird den Unterschied zum Meisterwerk und zur echten Kollaborationscollage „Songs For The Deaf“ sofort ausmachen können. Wo genau Alex Turner, Trent Reznor, Dave Grohl, Elton John, Nick Oliveri, Mark Lanegan, Jake Shears und Ehefrau Brody Dalle eigentlich genau mitmachen - im Grunde ist es egal, kaum heraushörbar und nicht entscheidend für den dramaturgischen Verlauf des Albums.

Es ist Hommes Album, mehr denn je. Auch wenn dies die sonst so gepriesene Vielseitigkeit von QOTSA limitiert, ist es nichtsdestotrotz ein starkes Stück Rockmusik, das sich des Sinnierens und nicht des Dampf-Ablassens verschrieben hat. Ein schauriger Horror-Film-Basslauf eröffnet den Reigen („Keep Your Eyes Peeled“). Tempo und Stimmung auf „I Sat By The Ocean“ geben dann den moderaten Rock-Druck des Albums vor, bevor eine flirrende Korg-Maschine den Vorhang für die erste von zwei Piano-Rock-Balladen öffnet („The Vampyre Of Time And Memory“, „Like Clockwork“). Die besten Rock-Songs „If I Had A Tail“ und „Fairweather Friends” enthalten genau diese verstörend neue Formel: Nicht mehr zwingende, clevere Riffs gepaart mit druckvoll-experimentierfreudiger Rhythmik beseelen ein QOTSA-Album, sondern guter alter midtempo-drive. Das ist gewöhnungsbedürftig bei dieser Truppe, aber deshalb noch lange nicht schlecht. „Smooth Sailing“ ist mit seinem Hard Rock-Funk vielleicht der einzige Song, der an die alte freakyness anknüpft - spät und nur auflodernd, bevor es in entrückt gedankenvoller Weise zu Ende geht („I Appear Missing“, „Like Clockwork“), dieses sechste QOTSA-Album, auf dem so vieles verstörend anders ist, als man es erwartet hätte und glauben wollte.

Wenngleich nicht ganz so zwingend, hat Homme dann doch wieder im Groben alles richtig gemacht. Queens Of The Stone Age bleiben die unberechenbarste aller relevanten Rockbands.

Anspieltipps:

  • If I Had A Tail
  • Fairweather Friends
  • Keep Your Eyes Peeled
  • I Appear Missing

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